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    Der Herr der Ringe

    Christian Reis beringt Störche in ganz RLP

    Als Schüler begann seine Liebe zu den Störchen, als ein Paar sich im Jahr 2000 in seinem Heimatort Neupotz niederließ. Heute beringt Christian Reis jedes Jahr Hunderte von ihnen.

    „Als ich von der Schule nach Hause kam, bin ich sofort los zu den Störchen und habe fotografiert und dokumentiert, was das Zeug hielt. Das führte dann binnen kürzester Zeit dazu, dass Leute, die etwas über das Thema wissen wollten, zu mir kamen“, erinnert sich der 40-Jährige an die Anfänge seiner Karriere.

    Mit 16 Jahren nahm ihn Walter Feld unter seine Fittiche. Feld war damals für die Beringung der Störche in Baden-Württemberg verantwortlich, Rheinland-Pfalz lief eher nebenher mit, da es dort in den 1990er Jahren nur drei bis fünf Brutpaare gab. Die Pflegestation in Bornheim gab es damals bereits, dort lebten pflegebedürftige Störche in einer Voliere. Mit ihnen begann die Wiederansiedlung der Tiere in geeigneten Feuchtgebieten im ganzen Bundesland.

    Die Aktion Pfalzstorch gründete sich 1998 und widmet sich seither der Dokumentation und Entwicklung des Storchenbestands. Sie betreibt das Storchenzentrum und die Pflegestation, wo Reis schon als Schüler mitarbeitete. Immer, wenn seine Mutter in Landau zu tun hatte, setzte sie ihn dort ab. Nur konsequent also, dass er 2007 die Leitung der Pflegestation übernahm und bis heute innehat.

    Der Weg zum ehrenamtlichen Storchenberinger führt über die Vogelwarte Radolfzell. Dort finden jährlich entsprechende Fortbildungen mit anschließender Prüfung statt. Wer Affinität zu den Tieren mitbringt, kann sich dort jederzeit melden. Die Storchensaison selbst beginnt im Februar – dann kommen die ersten Tiere zurück und es gilt, die Standorte abzufahren und alles in eine Datenbank einzutragen. Anschließend beginnt Anfang März die Eiablage, sodass die Hauptaufgabe, die Beringung, Ende Mai beginnt.

    „Nur zwischen vier und sieben Wochen nach der Geburt lassen die Störche sich beringen, danach versuchen sie zu flüchten, wenn man sich ihnen nähert.“ Dabei bekommt längst nicht jeder Storch einen Ring – manche Tiere siedeln in Sumpfgebieten oder sind zu hoch in den Bäumen um beringt zu werden. Unterstützung erhält Reis bei seiner Arbeit von der Feuerwehr, zwei Firmen stellen ihm auch Hubsteiger bereit.

    Während der Hauptsaison ist er täglich unterwegs, hauptsächlich in den Landkreisen Germersheim, Südliche Weinstraße, dem Rhein-Pfalz-Kreis sowie den kreisfreien Städten Landau, Ludwigshafen und Frankenthal. Inzwischen hat der Familienvater auch Unterstützung beim Beringen und Besendern der Tiere. 150 Jungstörche haben einen Sender erhalten, der Zugrichtung, Körpertemperatur, Geschwindigkeit und Flughöhe dokumentiert. Die Ringe dagegen werden manuell dokumentiert. „Der Weißstorch ist eines der besterforschten Vogeltiere überhaupt“, sagt Reis. Die Sender stellt die Vogelwarte Radolfzell bereit.

    In den über 20 Jahren seiner Tätigkeit hat Reis über 8000 Störche beringt, alleine in diesem Jahr schon über 700 – denn die Population nimmt zu. Weißstörche werden im Schnitt sieben Jahre alt, allerdings sterben zwei Drittel der Jungstörche im ersten Jahr. Gleichzeitig gibt es Tiere, die das stolze Alter von 25 bis 30 Jahren erreichen.

    Mittlerweile gibt es ca. 800 Brutpaare in Rheinland-Pfalz. Das hat auch mit dem Klimawandel zu tun. Das Zugverhalten hat sich verändert, die Tiere fliegen inzwischen nicht mehr so weit: nur noch ein Drittel zieht bis nach Afrika, ein weiteres Drittel überwintert in Spanien und ein Drittel nimmt in Frankreich Winterquartier.

    Da Störche sich von allem ernähren können, hat die gesellschaftliche Entwicklung ebenfalls einen Einfluss auf die Population: „Heute gibt es Störche an Orten, wo es im 19. Jahrhundert noch nicht möglich war, etwa im Hunsrück oder Westerwald“, berichtet Reis. Die Tiere fressen auch Aas, Fleisch oder Wurst, offene Mülldeponien, wie es sie in anderen Ländern gibt, begünstigen die Population ebenfalls.

    Dieses opportunistische Fressverhalten kann allerdings auch tödlich enden: Insbesondere Gummiringe, wie sie etwa bei Radieschenbünden benutzt werden, können im Magen nicht zerkleinert werden – der Storch verhungert bei vollem Magen. Reis erklärt: „In diesem Jahr konnten wir das in 20 Fällen beobachten, die Dunkelziffer ist weitaus höher. Deshalb sind die Aktion Pfalzstorch und die Landwirtschaftskammer auch in Gesprächen, beispielsweise mit dem Pfalzmarkt in Mutterstadt, um Alternativen zu finden.“

    Neben der Datenerfassung und Beringung gibt Reis sein Wissen gerne an Kinder weiter und ist häufig in KiTas oder Schulen zu Besuch, um von seiner spannenden Aufgabe zu erzählen, die er seit über 20 Jahren mit großer Leidenschaft ausführt – und noch viele weitere Jahre ausführen wird.

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