Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das 1992 begann. Sie sollen an das Schicksal der vielen Millionen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. In Rülzheim sind die vier Steine in der Neuen Landstraße 14 die ersten, weitere sollen folgen, wie Ortsbürgermeister Michael Braun betont.
Die insgesamt vier Steine dienen dem Gedenken an die Familie Wolf, die dort wohnte. Die Eltern, Jakob Albert und Karoline, wurden 1940 deportiert und 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Den beiden Kindern, Paul und Margot, gelang die Flucht nach Schweden bzw. England und danach in die USA.
Rülzheim hatte im 19. Jahrhundert eine große jüdische Gemeinde von rund 600 Einwohnerinnen und Einwohnern bei einer Bevölkerungszahl von ca. 2400. Bis zur Machtübernahme der Nazis 1933 lebten noch etwa 200 jüdische Menschen in der inzwischen 3600 Einwohner großen Gemeinde. Noch unmittelbar vor Beginn der Nazizeit hatten die jüdischen Geschäftsleute mehr als die Hälfte zum gesamten Steueraufkommen der Gemeinde beigetragen.
Die Initiative zur Setzung der Stolpersteine kam von der AG „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ der IGS Rülzheim. Vier Schülerinnen und Schüler der AG spielten bei der feierlichen Platzierung der Stolpersteine die Rollen der Familie und erzählten von deren Lebensstationen. Daneben waren neben der Schulleitung auch die Geschichte-Leistungskurse 11 und 13, der Grundkurs 13 sowie ehemalige Schülerinnen und Schüler anwesend. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung mit jüdischer Musik von Jörg Schloß an der Klarinette.
Ortsbürgermeister Michael Braun sagte, er erinnere sich an einen Besuch von 87 ehemaligen jüdischer Bürgerinnen und Bürger auf Einladung seines Großvaters, des damaligen Bürgermeisters Helmut Braun, im Oktober 1988. Er habe damals als Fünfjähriger den Grund nicht verstehen können, aber die Atmosphäre sei freundlich und verzeihend gewesen.
Braun schloss seine Ansprache mit den Worten: „Es darf nie mehr geschehen, dass Menschen anderen Menschen solches Unrecht antun. Nie wieder ist jetzt!“
