LEI-Neuigkeiten

    Heinke Schaffhauser erhält Autorinnenpreis

    Eine Ausgezeichnete Literatur

    22 Kurzgeschichten, die drei Jahrhunderte überspannen: Die Leimersheimerin Heinke Schaffhauser schrieb ihr Werk 2021 eigentlich für sich, ihre Familie und Freunde – und wird nun ausgezeichnet.

    „Der Krieg ist für ihn beendet. Schwer verletzt durch Kopfschuss kommt er im Heimatort an und wird noch zahlreiche Operationen überstehen müssen. Seine ebenmäßigen Züge mit der hohen Stirn für immer verschandelt. ‚Verwüstet‘, wird ein respektloser Journalist vierzig Jahre später schreiben, ein Kritiker seiner unbeugsamen Haltung gegen moderne Kirchenfenster in seiner Heimatstadt. Aber er lebt. Sein Leben verdankt er einem Stiefeldieb.“

    Es sind Passagen wie diese, die sich durch die Kurzgeschichten in Schaffhausers Buch ziehen, das große Ereignis mit kleinen, anekdotischen Einsprengseln wie dem Kirchenfenster verbinden und dabei einen Erzählrhythmus haben, der das Lesen nicht nur leicht macht, sondern durch den man direkt weiterlesen will. So spannt die Autorin einen Bogen von Zarenzeit über Mondlandung bis ins Heute: „Drei Jahrhunderte. Heinke“.

    Und so ist man ruck-zuck beim letzten Satz der letzten Geschichte namens „Schleichend“ angelangt und denkt: „Schade, ich hätte gerne mehr gelesen.“ Dazu trägt auch bei, dass Schaffhauser den einzelnen Geschichten jeweils ein eigenes Tempo, eine eigene Sprache verleiht, wodurch sie sich deutlich voneinander abheben, nicht nur thematisch, sondern auch erzählerisch.

    Der Clou an den Geschichten: die persönliche Note. Schaffhauser hat aufgeschrieben, was sie selbst, was ihr Mann als Häftling in Russland, was ihre Großmütter erlebt haben. So wirken die Texte nah und persönlich. Ursprünglich wollte sie mit ihrem Buch einfach nur die Erinnerungen und Geschichten ihrer Familie dokumentieren, daher ließ sie nur 70 Exemplare drucken – und nachdem diese schnell vergriffen waren, eine zweite Auflage mit 50 Stück, von denen noch drei übrig sind.

    Die Suche nach einem Verlag gestaltete sich schwierig, erzählt Schaffhauser im Gespräch: Während der Corona-Pandemie entdeckten viele Menschen ihre Lust am Schreiben, sodass ein Druck über Amazon nicht möglich war. Als ehemalige Lehrerin wandte sie sich dann durch ihre Kontakte an renommierte Verlage. Die hätten das Buch gedruckt, wollten aber teilweise astronomische Vorauszahlungen. Also landete das Werk bei einer kleinen polnischen Druckerei, wo alles glatt lief und die Bücher binnen drei Wochen fertig waren.

    „Ich dachte, 70 Stück reichen locker, aber dann hat eine Leimersheimerin allein 15 Exemplare gekauft und ich habe nochmal 50 nachdrucken lassen. Ich hätte nie gedacht, dass die Geschichten so großen Anklang finden“, freut sie sich. Ein Anruf eines Verlags machte Schaffhauser auf die Stiftung Kreatives Alter in der Schweiz aufmerksam. Sie verleiht Auszeichnungen an Menschen über 70 Jahre, die sich literarisch, in der Forschung oder musikalisch betätigen. Also reichte sie ihr Buch vor eineinhalb Jahren für die Teilnahme am Wettbewerb ein.

    Da die Stiftung 468 Einsendungen zu bearbeiten hatte, erreichte Schaffhauser die gute Nachricht, dass sie im engeren Kreis der Kandidatinnen und Kandidaten für eine Auszeichnung sei, erst im Februar dieses Jahres. Im Juni kam dann die Bestätigung mit der Einladung zur Preisverleihung am 27. Oktober.

    Die Auszeichnung ist eine zusätzliche Motivation für die 76-Jährige, die ein zweites Werk plant, dann aber nicht in Form von Kurzgeschichten. Diese seien „auserzählt“, sagt die Autorin. Man darf also gespannt sein.

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