Klimaschutz – und Biodiversitätskonzept: ein Hauch von Glasgow in der Verbandsgemeinde

    Aus dem Verbandsgemeinderat Rülzheim

    Passend zur parallel tagenden UN-Klimakonferenz in Glasgow erledigte der Verbandsgemeinderat am Dienstag, den 09.11.2021, seine Hausaufgaben in Sachen Klimaschutz. Ohne Gegenstimme wurden ein Klimaschutzkonzept und die Verlängerung der Stelle einer Klimaschutzmanagerin beschlossen. Ebenfalls auf der Tagesordnung: Schulentwicklungsplan, Biodiversitätskonzept für Eh-Da-Flächen und eine Spende an die Braun´sche Stiftung. 

    Zunächst stellte Frau Dr. Reinermann-Matatko den ersten Schulentwicklungsplan der Verbandsgemeinde Rülzheim vor, der auf einer lokalen Betrachtung der Bevölkerungsdynamik fußt. Das erfreuliche Ergebnis vorab: in den kommenden Jahren sind steigende Schülerzahlen in den vier Grundschulbezirken zu verzeichnen – für die Gemeinden eine wichtige Erkenntnis, um perspektivisch ausreichend Klassenräume zur Verfügung stellen zu können.

    Ganzheitlich betrachtet leben in der Verbandsgemeinde zukünftig im Schnitt 155 schulpflichtige Kinder pro Jahr und damit deutlich mehr als in den Vorjahren mit durchschnittlich 128 schulpflichtigen Kindern. Im Grundschulbezirk der GS Hördt leben in den kommenden Jahren im Schnitt 29 schulpflichtige Kinder, und damit mehr als in den Vorjahren. Daher wächst die Schule in den Prognosejahren zu einem stabil 2-zügigen System auf. Im Grundschulbezirk Kuhardt werden im Schnitt 20 schulpflichtige Kinder pro Jahr erwartet, und damit etwas mehr als die Anzahl der Vorjahre. Für Leimersheim prognostiziert der Plan im Schnitt 24 schulpflichte Kinder, sodass aufgrund einzelner Schwankungen von mehrfach zweizügiger Klassenstärke auszugehen ist. Für die Grundschule Rülzheim, die mit Abstand größte Grundschule in der Verbandsgemeinde, werden für die Prognosejahre durchgängig vier, aufgrund Zuzugsannahmen sogar teilweise fünf Eingangsklassen zu bilden sein.

    Ferner ist der Analyse zu entnehmen, dass das Angebot der Ganztagsschule immer stärkeren Zuspruch erfährt. Innerhalb der letzten fünf Jahre ist hier ein Anstieg um knapp 10% an beanspruchten Ganztagsplätzen zu verzeichnen.

    Anschließend präsentierte Herr Dr. Merkle, Biologe aus dem Büro „Merkle und Partner Biodiversitätsmanagement“ aus Wörth, ein Entwicklungskonzept für artenreiche Magerweisen von Eh-Da-Flächen innerhalb der Verbandsgemeinde. Im Mittelpunkt steht hierbei die Umgestaltung von artenarmen Deichflächen, kommunale Rasen, Straßenbegleitgrün oder Regenrückhaltebecken mit dem Ziel diese Flächen hin zu artenreichen und biodiversen Magerwiesen zu entwickeln. Denn: seit 1990 ging in Deutschland eine Fläche von über 1 Million Hektar an Wiesenfläche verloren. Dies führt dazu, dass wir bis dato einen Rückgang von 75 % aller Fluginsekten zu verzeichnen haben.

    Da artenreichen Wiesen jedoch nicht nur eine zentrale Rolle beim Klima- und Umweltschutz zukommt, sondern auch positive Auswirkungen auf das Mikroklima haben, will die Verbandsgemeinde Rülzheim zukünftig die Ausweitung von Magerwiesen fördern. Dies soll durch die Reduzierung der Mahd, dem Einsatz schonender Balkenmäher und der anschließenden Entnahme des angefallenen Mähgutes realisiert werden. Darüber hinaus sollen einzelne Wiesentreifen über Winter stehen gelassen werden. „Dieses Projekt ist ein kleiner Baustein von vielen, den wir als Kommune beisteuern können, um ein artenreiches und lebenswertes Umfeld zu fördern“, so Bürgermeister Matthias Schardt.

    Ohne Gegenstimme folgte die Verabschiedung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes der Verbandsgemeinde Rülzheim, in dem sämtliche kommunale Maßnahmen zu mehr Klimaschutz kondensieren. Übergeordnete Ziele des Konzeptes, die die Ernsthaftigkeit des Anliegens verdeutlichen, sind eine bilanziell energieautarke Verbandsgemeinde bis ins Jahr 2030 und die Realisierung lokaler Klimaneutralität bis ins Jahr 2040. Für die diversen Maßnahmen, wie beispielsweise klimaneutrales Bauen und Sanieren oder PV-Flächen auf kommunalen Dächern, führt das Konzept eine Priorisierungs- und Umsetzungsliste auf. „Ich bin der Überzeugung, dass wenn wir alle – egal ob öffentliche Behörde oder privater 4-Personen-Haushalt – einen Teil zum Klimaschutz beitragen, uns diese Generationenaufgabe gelingen kann. Investitionen in energieeffiziente Infrastruktur werden sich auf mittel- bis längerfristiger Sicht darüber hinaus wirtschaftlich positiv auf unsere Haushalte auswirken“, so Schardt.

    Sie finden das vielseitige Dokument mit detaillierter Auflistung der Maßnahmen, Verpflichtungen und Prioritäten auch direkt auf der Internetpräsenz der Verbandsgemeinde.

    Der Weiterführung der Stelle eines/r Klimaschutzmanager/in wurde bei zwei Enthaltungen ebenfalls zugestimmt.

    Abschließend wurde der Braun´schen Stiftung einstimmig ein Zuschuss von 7.500 Euro gewährt, die die Einrichtung in eine zweite Fahrrad-Rikscha oder ähnliche Objekte investieren wird. Der Vorsitzende des Fördervereins, Rudi Jud, berichtete über die Begeisterung der Fahrer und Bewohner über die Erlebnisse mit der schon vorhandenen Rikscha. „Ich freue mich über diese positive Resonanz und darüber, dass den Bewohnerinnen und Bewohnern damit die Teilhabe an unserer dörflichen Gemeinschaft ermöglicht wird“, fügte Schardt an.

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