Kein „dreckiges Geschäft“

    Warum die Arbeit in der Gruppenkläranlage interessant ist

    Die Arbeit in der Kläranlage ist laut landläufiger Meinung ein dreckiges Geschäft: Es stinkt, es ist dreckig und man entfernt ständig Müll anderer Leute aus dem Abwasser. Dabei ist die Arbeit in der Gruppenkläranlage Rülzheim/Herxheim weit mehr als das: Technisch anspruchsvoll, wissenschaftlich und vor allem abwechslungsreich, wie Patrick Leingang, Leiter der Gruppenkläranlage berichtet.

    Die Anlage ist für 41.500 Einwohner ausgerichtet, derzeit sind rund 27.000 Einwohner angeschlossen. Jährlich reinigt die Kläranlage 1,4 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser. Dabei entstehen 1.400 Tonnen Klärschlamm, 100 Tonnen Sand und 30 Tonnen Restmüll an. Beeindruckende Zahlen, die zeigen, dass die Arbeit des Teams der Gruppenkläranlage nicht hoch genug eingeschätzt werden kann – auch wenn die Restmüllbeseitigung ärgerlich sei: „Wir müssen immer wieder Pumpen von Feuchttuch-Zöpfen befreien. Das beispielsweise in der Kastanienallee in Rülzheim vier Mal binnen sechs Wochen der Fall. Feuchttücher gehören nicht in die Toilette, das sollte inzwischen eigentlich jeder begriffen haben“, ärgert sich der Leiter der Gruppenkläranlage.


    Die Arbeit des vierköpfigen Teams hört bei der reinen Abwasserreinigung aber bei weitem nicht auf: Eine Fachkraft für Abwassertechnik beherrscht Aspekte mehrerer Berufe zugleich. Einerseits muss man elektrische Aspekte berücksichtigen, etwa, wenn es darum geht, Motoren an den Pumpen und anderswo abzuklemmen oder anzuschließen, Fehler an einfachen Schaltungen zu suchen oder generell sicher mit Strom umzugehen. Andererseits hat der Beruf auch chemische Hintergründe, etwa beim Pipettieren zur Analyse der Abwasserparameter wie dem Phosphatstickstoffgehalt, der Herstellung von Schlammproben oder der Bestimmung der Wasserhärte. Auch Schlosserarbeiten für die Wartung fallen an. Und es gibt – wie fast überall – umfassende Dokumentationspflichten.

    Von Kanalreinigung bis Rattenbekämpfung
    Die Aufgaben eines Klärmeisters gehen noch darüber hinaus: Er kümmert sich um den administrativen Bereich – von der Personalplanung über die Bestellung von Arbeitsmaterial und den Einsatz von Fremdfirmen bis hin zur Abnahme von Tiefbaumaßnahmen auf Baustellen. „Trotzdem mische ich im täglichen Ablauf immer noch gerne mit“, so Patrick Leingang. Das Berufsfeld sei einfach sehr abwechslungsreich: „Pumpenaus- und -einbau, Kamerabefahrung des Kanalnetzes, Auslegung von Rattengift, um die Population möglichst gering zu halten – kein Tag ist wie der andere.“

    Besonders schön an der Arbeit in der Gruppenkläranlage sei, dass die Chemie im Team stimme und jeder in seinem Spezialgebiet eingesetzt werde: „Wenn jemand lieber Laborarbeit macht und ein anderer lieber Wartungsarbeiten, ist das absolut kein Problem.“

    Gerade deshalb und wegen der Vielfalt der Aufgaben wirbt Patrick Leingang für den Beruf und würde sich freuen, wenn künftig wieder Auszubildende das Team verstärken würden: „Wir wollen Personal aufstocken, die Übernahmechancen stehen also gut.“



    Corona hat keine Auswirkungen
    Die Arbeit in der Gruppenkläranlage galt während der Corona-Pandemie als systemrelevant. Logisch, denn ein Ausfall der Kläranlage hätte auf die Ablaufqualität des gereinigten Abwassers enorme Auswirkungen. Deshalb war das Team während der Kontaktbeschränkung in wöchentlicher Wechselschicht jeweils zu zweit vor Ort und zu Hause. Im Homeoffice befasste sich Patrick Leingang mit Rechnungstellung, Online-Weiterbildungen oder der Ablauforganisation.

    Besondere Auswirkungen auf die Wasserqualität hatte der zwischenzeitliche Lockdown übrigens nicht. Patrick Leingang und sein Team behalten die Messwerte natürlich trotzdem aufmerksam im Auge – schließlich leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass alle Bürgerinnen und Bürger #xundbleiwen.

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