Bunter Strauß an Maßnahmen

    Projekt „Öko-Logisch“ vorgestellt

    Natur- und Umweltschutz sind aus der Arbeit einer Verwaltung nicht mehr wegzudenken. Bei sämtlichen Projekten werden ökologische Maßnahmen inzwischen von Anfang an mit berücksichtigt. Dennoch gibt es Verbesserungspotential. An diesem Punkt setzt das Projekt „Öko-Logisch“ der Verbandsgemeindeverwaltung an, das in der Sitzung des Ausschusses für Planung, Bauwesen, Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz der Verbandsgemeinde am Montag, 14. September, vorgestellt wurde.

    „Als ich 2004 zum ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde gewählt wurde, wurde bereits erfolgreich Umweltpolitik gemacht - es wurde aber nicht als ureigene Aufgabe der Kommune angesehen, weil formal keine Zuständigkeit nach der GemO vorliegt. Heute ist Umweltpolitik eine Aufgabe auf allen Verwaltungsebenen, um die niemand herum kommt“, hob Bürgermeister Matthias Schardt hervor.

    Deshalb habe man das Projekt „Öko-Logisch“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, schlummernde Potentiale für ökologische Verbesserungen in der Verbandsgemeinde und den vier Ortsgemeinden zu heben. Entsprechend diene das Konzept nur als Orientierungsrahmen für die Ortsgemeinden, Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern seien ausdrücklich erwünscht, weshalb es Beteiligungsverfahren geben solle.

    Verantwortlich für den ersten Rohentwurf war Mara Wittenmeier, die an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen studiert und beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Landau arbeitet. Sie war im Rahmen ihrer Gastausbildung, die Teil ihres Studiums ist, im Juni und Juli bei der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung tätig.

    Fischtreppe hinter der Gruppenkläranlage: Die Maßnahme ist ein Teil der Wiederherstellung der Längsdurchgängigkeit des Klingbachs.

    Mara Wittenmeier stellte das Projekt im Ausschuss vor. Das Konzept umfasst ein ganzes Maßnahmenbündel in verschiedenen Bereichen; teilweise sind die Maßnahmen bereits in Umsetzung. Die Vorschläge reichen von Gewässerprojekten und Ausgleichsflächen über Mitmachaktionen, die Begrünung von gemeindeeigenen Flächen und landwirtschaftlichen Maßnahmen bis hin zu Maßnahmen in Biotopen, Wäldern, Friedhöfen, und Straßen.

    Unter Gewässerprojekte fallen beispielsweise die Wiederherstellung der Längsdurchlässigkeit des Klingbachs, die bereits in Arbeit ist, die Revitalisierung des Rheinvorlandes von Wörth bis Leimersheim oder auch die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Baggersee in Leimersheim. Hinsichtlich der Ausgleichsflächen soll künftig ein stärkerer Fokus auf die Vernetzung dieser Flächen im Sinne des Artenschutzes gelegt werden. Außerdem können Streuobstwiesen auf brachliegenden Flurstücken angelegt werden. Öffentlichkeitswirksam könne ein Obstfest stattfinden, an dem Freiwillige gemeinsam das Obst dort ernten. Solche Aktionen kommen auch den Ökokonten der Ortsgemeinden zugute, die bei Bauvorhaben genutzt werden können.

    Auch Projekte, die die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Bedeutung von Natur- und Umweltschutz lenken sollen, sind in „Öko-Logisch“ enthalten, etwa von Firmen oder Vereinen gesponserte Blumenkübel oder Hochbeete, die von Kindergartengruppen oder Schulklassen bemalt und bepflanzt werden.

    In Kooperation mit der Integrierten Gesamtschule Rülzheim können sich auch Projekt- und Leistungskurse Biologie an Projekten der Verbandsgemeinde beteiligen und Deutsch-Leistungskurse diese Arbeit gemeinsam mit der Pressestelle der Verwaltung und der Rheinpfalz-Lokalredaktion begleiten. Ebenfalls öffentlichkeitswirksam sind Mitmach-Aktionen wie die Aktion Saubere Landschaft, der Rhine Clean Up, das Stadtradeln, der Freiwilligentag der Metropolregion Rhein-Neckar oder das Einheitsbuddeln.

    Gemeindeeigene Flächen sollen aufgewertet werden – hinsichtlich der Blühflächen vor öffentlichen Einrichtungen ist das bereits in Arbeit, an anderen Stellen können ungenutzte Flächen ebenfalls begrünt werden. Auf Spielplätzen können statt Zäunen Hochbeete, XXL-Blumentöpfe oder Blühhecken als Begrenzung dienen. Landwirte können dagegen beispielsweise Teile ihrer Flächen für ein Jahr als Grünfläche nutzen oder die Wegerandstreifen begrünen.

    Zudem gibt es in der Verbandsgemeinde zahlreiche Biotope, die vielen Bürgerinnen und Bürgern unbekannt seien. Auch hier könne man gemeinsam mit Experten Maßnahmen treffen, um diese Biotope miteinander zu vernetzen und damit gefährdete Tier- und Pflanzenarten schützen. Die Wälder dagegen werden zwar vom Forstamt bewirtschaftet, es gebe aber die Möglichkeit, beispielsweise einen Generationenwald zu pflanzen, bei dem Bürger Bäume zu besonderen Anlässen, etwa Hochzeiten oder Geburten, Bäume erwerben und pflanzen können. Hier wäre es möglich, eine Verbindung mit dem Einheitsbuddeln am 3. Oktober herzustellen, erläuterte Mara Wittenmeier.

    Ebenfalls möglich sei es, in den Bebauungsplänen ökologische Grenzen einzuziehen, etwa Schottergärten zu verbieten, die zur Flächenversiegelung beitragen. Auf Friedhöfen könne man statt Kieswegen Rasenflächen anlegen und eine insektenfreundliche Grabgestaltung anregen: Auf einer Liste, die am Friedhof aushängt, können Angehörige Blumensorten finden, die diesen Zusatznutzen erfüllen. Auch die Neugestaltung von Kreiseln mit mehr Blumen und Pflanzen sei eine denkbare Option.

    Die Maßnahmen sollen den Bürgerinnen und Bürgern über alle Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit nähergebracht und diese zum Mitmachen motiviert werden. Bürgermeister Matthias Schardt betonte, das Konzept für das Projekt „Öko-Logisch“ sei ein erster, sehr fundierter Schritt auf dem Weg zu mehr Arten- und Umweltschutz. Dieser Einschätzung schlossen sich sämtliche Ausschussfraktionen an.

    Entsprechend beschloss der Ausschuss einstimmig, dass der Bürgermeister ein Planungsbüro für die weitere Ausarbeitung und Öffentlichkeitsbeteiligung suchen und beauftragen solle. Die Kosten für die Planungsleistungen liegen bei rund 20.000 Euro.

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