„Kirche funktioniert nur über persönlichen Kontakt“

    Annika Bär ist neue Pastoralassistentin der Pfarrei Hl. Theodard

    Die Karriere wurde ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt: Annika Bär war schon von Kindesbeinen an in ihrer Heimat-Kirchengemeinde in Grünstadt aktiv, war Messdienerin, dann Obermessdienerin und hat Pfarreigruppen geleitet; ihre Mutter ist dort noch immer Pfarreisekretärin.

    Nach dem Abitur studierte sie Diplom-Theologie, katholische Religionslehre und Geschichte auf Gymnasial-Lehramt, anschließend war sie zwei Jahre zur pastoralpraktischen Ausbildung in Speyer, den Praxisteil der Ausbildung absolvierte sie in Deidesheim. Seit 1. August ist sie nun Pastoralassistentin der Pfarrei Hl. Theodard in Rülzheim und damit Nachfolgerin von Andrea Hinterberger. Im Interview erklärt Annika Bär, was die Aufgaben einer Pastoralassistentin sind, worauf sie in ihrer Arbeit das Hauptaugenmerk legt und wie sie die Arbeit der Kirchen in Zeiten von Corona sieht.


    Was sind die Hauptaufgaben einer Pastoralassistentin?
    Annika Bär:
    Es ist ein sehr vielfältiges Aufgabengebiet – was einer der Hauptgründe ist, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Man hat Anknüpfungspunkte zu allen Lebensbereichen, gewissermaßen von der Wiege – der Taufe – bis zur Bahre – der Beerdigung und der Trauerarbeit. Dazwischen gibt es natürlich auch jede Menge bedeutende Schritte im Leben eines gläubigen Menschen. Das beginnt bei der Taufelternkatechese, geht über die Erstkommunionvorbereitung bis zur Firmung und endet dann eben mit der Trauerarbeit. Es ist ein breites Spektrum, bei dem man eigene Schwerpunkte setzen kann, je nach Interesse.

    Sie sprechen von eigenen Schwerpunkten. Was reizt Sie besonders?
    Annika Bär:
    Der Kontakt mit den Menschen, die alle einen ganz unterschiedlichen Lebensweg haben. Das ist spannend, man kann durch Gespräche vieles erfahren und viel bewegen, den Menschen ganz individuell helfen. Natürlich gehört auch Büroarbeit dazu, auch wenn das nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist (lacht). Organisationstalent ist wichtig, man muss vieles koordinieren – aber die Nähe zu den Menschen, das ist mir persönlich sehr wichtig.
     
    Die Kirche hat momentan ein Imageproblem. Inwiefern macht sich das bemerkbar?
    Annika Bär:
    Natürlich ist das auch für uns ein Thema. Ich habe das persönlich aber ganz anders in der Jugendverbandsarbeit erlebt – eine lebendige, moderne Kirche, die vor Energie sprüht. Die Menschen, die mich auf meinem Weg geprägt haben, haben das aktiv gelebt und genau das möchte ich weitergeben und meinen Teil dazu beitragen, dass die Kirche als moderne Einrichtung wahrgenommen wird. Kirche funktioniert nur über persönlichen Kontakt.

    Stichwort moderne Einrichtung: Welche Akzente möchten Sie in Ihrer Arbeit setzen?
    Annika Bär:
    Ich finde es schwierig, zu sagen, ich komme mit fünf Punkten hierher und arbeite die ab. Es ist wichtig, zu sehen, was die Pfarrei braucht und was die Menschen sich wünschen.
    Die Gemeindeausschüsse auf kirchlicher Ebene habe ich bereits kennengelernt und gefragt, was sie brauchen. Die Resonanz war sehr interessant, denn natürlich stellt die Corona-Pandemie auch uns als Kirche vor große Herausforderungen. Ganz aktuell natürlich die Frage, wie feiern wir Weihnachten? Die Sehnsucht nach „Normalität“, wenn man das so formulieren will, ist groß.
     
    Welche Lösungsansätze gibt es, um diese „Normalität“ zu erreichen?
    Annika Bär:
    Klar ist, ein simples „zurück zum Status quo“ gibt es nicht. Wir müssen versuchen, neue, kreative Wege zu gehen. Es ist wichtig, in den Dialog mit den Menschen zu treten und gemeinsam Ideen zu erarbeiten, gerne auch kreativ zu sein. Das bedeutet, wir müssen Konzepte erarbeiten, die es uns ermöglichen, Weihnachten auf jeden Fall zu feiern, wenn auch nicht im gewohnten Rahmen. Da stehen wir aber noch ganz am Anfang, ich sehe das aber als eine meiner Hauptaufgaben und als wichtigste Herausforderung aktuell.

    Wie hat Corona Ihre Arbeit beeinflusst?
    Annika Bär:
    Ganz persönlich hatte ich ausgerechnet an diesem Freitag, 13. März, noch meine Lehrprobe, die konnte ich noch halten. Dann kam Ostern, alles lag brach, es gab keine Gottesdienste. In Deidesheim haben wir das über einen Osterbrief an die Gemeindemitglieder gelöst. Da haben wir viel Resonanz bekommen. Es ist immens wichtig, Kontakt zu den Menschen zu halten. Gerade in dieser Zeit hat sich gezeigt, dass die Menschen das brauchen. Und als die ersten Lockerungen kamen, hatten wir natürlich andere Herausforderungen: Wie stellt man die Abstände in der Kirche her, wie viele Leute dürfen überhaupt rein, wie lösen wir die Thematik Kontakterfassung – und nicht singen zu können war natürlich auch ein Aspekt. Das war ein schwieriges Spannungsverhältnis: Einerseits will die Kirche ja ausdrücklich allen Menschen offenstehen, andererseits ging das aufgrund der Beschränkungen nicht. Der Aspekt des „Mitfeierns“, die Interaktivität, die durch das Singen kommt, ist dadurch geschmälert.

    Inwiefern können Online- und Freiluftgottesdienste hier Abhilfe schaffen?
    Annika Bär:
    Natürlich können Online-Gottesdienste das Bedürfnis, die heilige Messe zu feiern und Gott nahe zu sein, ein Stückweit erfüllen – aber der emotionale Aspekt ist ein ganz anderer im Vergleich zu regulären Gottesdiensten. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Gerade ältere Gemeindemitglieder können mit dieser Lösung wenig anfangen. Und Freiluft- Gottesdienste sind eine gute Sache, im Winter aber durch die Kälte eher abschreckend und schwierig zu realisieren. Die Geselligkeit geht verloren, das ist nicht nur für die Kirche, sondern für die Gesellschaft eine große Herausforderung. Mit der Geselligkeit geht auch ein Stückweit die Wärme und Nähe verloren – wir müssen daran arbeiten, dass das Gebot, äußerlich Abstand zu halten, nicht dazu führt, dass wir auch innerlich Abstand zu unseren Mitmenschen halten.

    Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie sind Sie als Grünstadterin ausgerechnet nach Rülzheim gekommen?
    Annika Bär:
    Es waren verschiedene Stellen im Bistum offen. Als Berufsanfänger konnten wir unseren Wunsch äußern, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man auch dorthin entsandt wird. Ich hatte Glück – man kann es auch eine Fügung nennen, denn ich wollte nach Rülzheim, weil die Pfarrei durch ihre Online-Präsenz bei mir gepunktet hat. Mich hat die Stelle sehr interessiert, auch wenn es welche gegeben hätte, die distanzmäßig näher gewesen wären. Aber die Pfarrei Hl. Theodard hat mich am meisten gereizt. Und es war wohl Gottes Wille, dass ich hierher kommen durfte.

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