SGD Süd informiert über Reserveraum

    Aus dem Gemeinderat Kuhardt

    Die Vorstellung des aktuellen Planungsstands zum Reserveraum für Extremhochwasser Hördter Rheinauen stand im Zentrum der Sitzung des Gemeinderats Kuhardt am Donnerstag, 28. Oktober.

    Der Reserveraum Hördter Rheinaue bewegt auch die Bürgerinnen und Bürger in Kuhardt. Aus diesem Grund stellte Wolfgang Koch, Leiter der Neubaugruppe Speyer der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD), dem Gemeinderat die Planungen vor und beantwortete eingegangene Bürgerfragen, die sich in der Hauptsache um die Baustraße zwischen B9 und Baustelle drehten.

    Zunächst beschrieb Koch die Funktion des Reserveraums, der 2033 endgültig fertiggestellt werden soll und ein Fassungsvolumen von 32 Millionen Kubikmetern Wasser haben wird. Für die Entwässerung im Falle einer Hochwasserlage sorgen die Schöpfwerke in Leimersheim und Sondernheim: Das kleine Schöpfwerk am Brandgraben verfügt über eine Kapazität von maximal 0,5 Kubikmetern pro Sekunde, das am Klingbach über 11,2 Kubikmeter und das Schöpfwerk Leimersheim über 14 Kubikmeter. Hinzu kommen die beiden Schöpfwerke Sondernheim Nord (1,5 Kubikmeter) und Süd (18 Kubikmeter). Die Pumpwerke werden je nach Bedarf mit unterschiedlicher Leistung je nach Lage gefahren.

    Zusätzlich zu den Schöpfwerken sind entlang der Deichlinie zahlreiche Durchlässe geplant, die entsprechend dimensioniert sind – größere für Hauptgewässer wie den Michelsbach, kleinere als Rohrdurchlässe. Im Falle von Extremhochwasserereignissen gelangt das Wasser über drei Überlaufschwellen am Krappenkopf, am Herrengrund und am Böllenkopf in den Reserveraum, zudem ist eine Bresche vorgesehen, die nur dann aktiviert wird, wenn die Schwellen überströmt werden.

    Der Kernbereich des Reserveraums ist für ökologische Flutungen bis zu einem Pegelstand von 5,80 Metern ausgelegt. Die Flutungsbereiche sind abgegrenzt, so dass das Wasser nicht in den Südwestbereich oder den Michelsbach einläuft. Als weitere Sicherungsmaßnahmen sind ein Drainagesystem und Auffüllungen auf zehn landwirtschaftlichen Flächen vorgesehen, wo sich heute bei Druckwasser oder starken Regenfällen Wasser sammelt.

    Bezüglich der Baustraße ging Koch auf Anwohnerfragen ein: Die Bauphase für die Straße nebst eigentlichem Reserveraum wird acht bis zwölf Jahre dauern, hinzu kommen drei bis vier Jahre für die Flurbereinigung, so dass von einer Gesamtbauzeit von rund 15 Jahren auszugehen sei. Die Straße selbst wird voraussichtlich 2024 zur Verfügung stehen – hier schlagen Ausschreibungen und Verträge mit rund einem Jahr, der eigentliche Bau ebenfalls mit ca. einem Jahr zu Buche. Eine entsprechende Beschilderung wird es geben. Eine Mitnutzung der Strecke für die Gewerbetreibenden ist möglich. Dass die Straße tatsächlich durch die bauausführenden Unternehmen genutzt wird, ist über den Bauvertrag geregelt, die Betreiber der Kieswerke haben ihre Kooperation zugesagt.

    Ein Schicht- oder Nachtbetrieb ist nicht geplant, bei besonderer Erfordernis ist eine Sondergenehmigung erforderlich. Die gesamte Anzahl der täglichen LKW-Fahrten beziffert der LBM auf 284 Hin- und Rückfahrten. Längere Unterbrechungen der Bautätigkeit soll es durch Bauzeitvereinbarungen nicht geben. Was die Lärmbelastung angeht, wurde ein Schallgutachten erstellt, das belegt, dass der Lärmvorsorgegrenzwert von 59 dB überall eingehalten wird; eine signifikante Schallentwicklung in Richtung Ortslage gibt es nicht.

    Eine Beeinträchtigung für Freizeitnutzer könne in der Bauphase dagegen nicht ausgeschlossen werden, man versuche allerdings, diese so gering wie möglich zu halten. Was den Hauptprojektplan angehe, sei die Planung bis auf wenige Details abgeschlossen, die Vorstellung in den Gremien ist terminiert: Am 18. November gibt es eine Info-Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger.

    „Beim Reserveraum handelt es sich um ein Bauwerk, das es so noch nicht gegeben hat. Entsprechend ist das Thema komplex. Viele Interessengruppen sind involviert, die ein Recht darauf haben, gehört zu werden. Uns ist es wichtig, mit der Thematik transparent umzugehen, daher sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, sich bei Fragen jederzeit an uns zu wenden. Bezüglich der Nutzung der Baustraße nach Abschluss der Arbeiten: Hier müssen wir pragmatisch sein – niemand weiß, was in 20 Jahren sein wird, aber wir setzen uns dafür ein, dass die Straße auch danach erhalten bleibt“, so Ortsbürgermeister Christian Schwab.

    Im nächsten Tagesordnungspunkt ging es um den Umbau eines Nebengebäudes in der Gartenstraße. Hierzu erteilte der Rat einstimmig sein Einvernehmen.

    Unter Kenntnisgaben informierte Schwab über die Ochsenfroschplage im Ort: Der Ochsenfrosch ist eine invasive Art, wird 50 bis 70 Zentimeter groß und hat keine natürlichen Feinde. Er frisst alles, was kleiner als er selbst ist und gefährdet damit das Ökosystem im Bindlich, Auwinkel und an der Unteren Kuhnbrücke. Die Population allein im Bindlich wird auf 1.000 Stück geschätzt. Bisherige Eindämmungsmaßnahmen seien erfolglos gewesen.

    Ende Oktober habe deshalb eine Begehung mit der SGD und der Unteren Naturschutzbehörde stattgefunden: Die Seen sollen eingezäunt werden, um die Wanderung der Frösche zu unterbrechen. Außerdem werden kleine Tonnen vergraben, um die Frösche dort einzufangen. Sie werden regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass keine anderen Tiere hineingefallen sind. Projektträger ist die Obere Naturschutzbehörde. „Wir wollen unsere heimischen Tiere schützen. Deshalb haben wir uns mit NABU und BUND abgestimmt, die die Vorgehensweise befürworten. Auch der Angelverein ist im Boot“, so der Ortsbürgermeister.

    Ein weiteres unerfreuliches Thema sind die abgängigen Birken an der Birkenallee: Sie sollen zeitnah gefällt werden. Auf der linken Seite von Rülzheim kommend werden anschließend keine Birken mehr angepflanzt, da der Bereich dort zu schmal ist und die Birken deutlich früher absterben. Stattdessen wird der Bereich voraussichtlich im Frühsommer komplett neu gestaltet und begrünt, damit der Ortseingang ein schönes und würdigen Aussehen erhält. Auf der anderen Seite werden die abgängigen Birken dagegen ersetzt.

    Bezüglich des Glasfaserausbaus informierte Schwab, dass ihn viele Bürgeranfragen zu unterschiedlichen Themen erreichen. Hier will die Ortsspitze auf mehr Präsenz des Unternehmens im Ort drängen. Die Beschwerden wegen schlecht ausgeführter Baumaßnahmen seien dagegen meist unbegründet: Man arbeite eng mit dem Tiefbauamt der Verwaltung zusammen, das dafür Sorge trage, dass fehlerhafte Ausführungen bereinigt werden.

    Oft seien es aber Beschwerden über Stellen, wo der Bautrupp noch nicht fertig sei und zu einem späteren Zeitpunkt wiederkomme. Schwab warb in diesem Fall um Geduld und Verständnis: „Egal, wo gebaut wird, sieht es hinterher nicht 1:1 aus wie vorher – aber fast überall sehen die bearbeiteten Stellen tiptop aus.“ In der nächsten Ratssitzung kommt das Thema auf die Tagesordnung; Verwaltung und Deutsche Glasfaser werden einen Sachstandsbericht abgeben und für Fragen zur Verfügung stehen.


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