„Pfarrhauswingert Hördter Jergenberg“

    Abschied von einem Stück Hördter Dorfgeschichte

    Der Pfarrhauswingert auf dem Hördter Jergenberg muss der neuen Kindertagesstätte "Villa Klosterspatzen" weichen. Vor Baubeginn hat es dazu auch archäologische Ausgrabungen gegeben, über deren Ergebnisse noch informiert wird. Robert Müller aus der Gemeinde blickt in seinem Text auf die Historie des Pfarrhauswingerts zurück.

    Man schreibt das Jahr 1976.
    Ein neuer Pfarrer, Hermannjosef Mohr aus dem Montfortaner-Orden, ist im Hördter Pfarrhaus eingezogen. Auf dem großzügigen, zum Pfarrhaus gehörenden Außengelände, wuchsen mehr schlecht als recht einige Apfelbäume, die ihre beste Zeit längst hinter sich hatten. Da die Ver-mutung nahe lag, dass dort einmal Weinreben angepflanzt waren, beschloss eine rührige Personengruppe um den neuen Pfarrer, wieder einen Weinberg anzulegen und fortan den Messwein selbst zu produzieren.

    Mit Herbert Weiß, einem Winzer aus Klingen mit Hördter Wurzeln und Karl Wagner,  hatte man schnell zwei Experten im Boot. Spontan be-schloss Artur Fischer die geplanten 500 Rebstöcke, bestehend  aus Silvaner, Kerner und Müller-Turgau, dem neuen Ortspfarrer zu schenken. Nach entsprechender Vorarbeit schritt man zur Tat.

    Männer der ersten Stunde, wie Eugen Deny, Adam Doll, Artur Fischer, Ernst Fischer, Georg Gundermann, JeanTrauth, Hermann Stibig, Heinrich (Heini)  Fischer, Albert Höfer  und weitere Personen, deren Namen leider nicht mehr zu ermitteln sind, trugen fortan unter fachlicher Aufsicht zum Wachsen und Gedeihen des Weinbergs bei. Heraus kam ein, ohne Zutaten, faßvergorener Cuvée. Schon im Jahr 1978 konnte man bereits die ersten 100 Liter keltern. Es wird berichtet, dass sich sogar der damalige Obst- und Gartenbauverein an dem Projekt beteiligt hat.

    Da man die Kelterarbeit im eigenen Haus erledigen wollte, wurde im Zug des Garagenbaus beim Pfarrhaus, Ende 1984, eine Kelter mit einem Presskorbvolumen von 470 Liter sowie eine handbetriebene Traubenmühle angeschafft und der Garagenkeller als kleiner Weinkeller ausgebaut.

    Leider war nicht jeder Jahrgang ein Erfolg. In so manchem Jahr machten Wetterkapriolen einen Strich durch die Rechnung. So auch 2016 und 2018. Aber ein bewährter Helferkreis ließ sich nicht entmutigen und war immer beim Herbsten zu Stelle. Mit Hugo Hamburger hatte man in den letzten Jahren einen verlässlichen Hottenträger, der aber dem Schubkarren zum Traubentransport den Vorzug gab (man kann davon ausgehen, dass er die Idee von Hermann  Stibig übernommen hat).
    Ein gerne gesehener Sommerarbeiter im Weinberg war Franz Heinl (immer mit Strohhut).
    Der Verfasser dieses Schriftstückes kümmerte sich im letzten Jahrzehnt um die Kelterarbeit und Weiterverarbeitung des Mostes zu Wein.

    Ein besonderes Erlebnis war die, nach erfolgter Traubenlese,  von Pfarrer Mohr gereichte Vesper.
    Dem Weinberg  „Hördter Jergenberg“ wurde sogar in dem im Pilgerverlag erschienen Buch „Himmlische Tropfen! – Vom Jesuitengarten über das Kirchenstück zur Hölle oder ins Himmelreich-“ ein literarisches Denkmal gesetzt.
    Eine Besonderheit waren immer die Flaschenetiketten, die jeweils auf einem Entwurf von Pfarrer Mohr basierten. Die jeweils mit einem Schmunzeln nicht ganz ernst gemeinte „ Amtliche Prüfnummer“ bezog sich immer auf ein im Erntejahr stattgefundenes Ereignis. So auch im Jahr 2016, zum achtzigsten Geburtstag des amtierenden Papstes Franziskus, der als Gruß aus Hördt mit einem Weinpräsent mit dieser „Prüfnummer“ bedacht wurde. Auch der jeweils amtierende Bischof in Speyer durfte sich über ein Jergenberg-Geschenk freuen.
    Der Wein wurde nur verschenkt, nie verkauft.

    In Anbetracht der Tatsache, dass nicht nur Pfarrer Mohr und seine Rebstöcke, sondern auch der im Wingert tätige Personenkreis immer älter wurde und die politische Gemeinde dringend einen geeigneten Platz für einen neuen Kindergarten brauchte, wurde das Wingertgelände im August 2021 von der Diözese Speyer an die Ortsgemeinde Hördt ver-kauft.
    Somit endet zum Jahresende 2021 ein Stück Hördter Dorfgeschichte:

    Von Robert Müller

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