Das Ordnungsamt informiert

    Fütterungsverbot für Nutrias

    Aus gegebenem Anlass informiert das Ordnungsamt über das in §2 Absatz 1 S1 Nr.8 GefAbwVO normierte Fütterungsverbot in der VG Rülzheim für Nutrias und Wasservögel.

    Aufgrund anhaltender Missachtung dieses Verbotes wird die Verbandsgemeinde Rülzheim beim Klingbach am Centrum für Kunst und Kultur in Rülzheim ein „Füttern verboten“-Schild aufstellen. Dieser Ort stellt nicht nur für Menschen ein attraktives Plätzchen dar, um es sich gemütlich zu machen. In den letzten Jahren hat sich dort eine immer weiterwachsende Nagetierfamilie angesiedelt. Myocastor coypus, im Volksmund als Nutria bekannt, ist eine invasive Art. Sie stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde wegen ihres Felles in Europa gezüchtet. Nutrias in den 1930er Jahren aus Pelzfarmen entkommen oder wurden absichtlich befreit und sind nunmehr auch in Deutschland weit verbreitet.

    Nutria als Krankheitsüberträger
    Die von Grund auf zutraulichen Tiere gewöhnen sich schnell daran, gefüttert zu werden. Sie verlieren immer mehr die Scheu vor dem Menschen und können zuweilen sogar recht aufdringlich werden. Diese zutrauliche Art, an der sich verständlicherweise viele Menschen erfreuen, birgt aber auch seine Gefahren. Wie bei anderen wildlebenden Tieren ist auch bei Nutrias Vorsicht geboten, da es aufgrund dieser fehlenden Scheu zu gesundheitsgefährdenden Bissverletzungen kommen kann.

    Auswirkungen auf das Ökosystem
    Die Fraßtätigkeit der Nutria schädigt die Unterwasser- und Ufervegetation. Ein hoher Bestand an Tieren führt sogar zu einem Rückgang von gefährdeten und geschützten Pflanzenarten wie z.B. der Iris pseudacorus. Durch eine selektive Nahrungsaufnahme kommt es zu einer Reduzierung der Lebensraumstruktur. Die grabende Tätigkeit im Uferbereich verändert die Hydrologie und beeinträchtigt die Stabilität der Uferzonen an Böschungen. Vor allem bei Deichanlagen kann dies zu erheblichen wasserbaulichen Schäden führen.
     
    Population
    Nutrias werden mit 5-6 Monaten geschlechtsreif und können 1-3 Mal im Jahr ca. 4 bis maximal 13 Junge gebären. Diese ohnehin schon hohe Reproduktionsrate wird durch zusätzliche Fütterung begünstigt.

    Auswirkungen der Fütterung
    Die Fütterung der Nutrias und anderer wasserlebenden Tierarten hat aber auch indirekt negative Auswirkungen auf die Qualität des Gewässers. Übriggebliebenes Futter sinkt an den Gewässergrund und verfault dort. Das verbraucht große Mengen an Sauerstoff, der dann den Fischen und anderen Wasserlebewesen fehlt. Das Algenwachstum steigt stark an und es besteht die Gefahr, dass das Gewässer umkippt.
    Außerdem ist das angebotene Futter oft nicht als Nahrungsmittel für die Tiere geeignet und bietet ihnen nicht die richtige Nährstoffzusammensetzung. Zudem zieht übriggebliebenes Futter auch ungebetene Gäste wie Ratten an.

    Fazit
    Die Nutria ist eine eingeschleppte Tierart, die sich besonders in unserer Region mit milden Wintern und vielen Gewässerstrukturen wohl fühlt. Aufgrund der potentiellen ökologischen und ökonomischen Beeinträchtigungen, die durch diese Tiere verursacht werden können und der Möglichkeit Krankheiten zu übertragen, weist die VG- Ordnungsbehörde die Bevölkerung darauf hin, dass das in der GefAbwVO normierte Fütterungsverbot für Nutrias und Wasservögel zwingend einzuhalten ist. Verstöße gegen dieses Fütterungsverbot stellen eine Ordnungswidrigkeit dar und können mit Geldbußen geahndet werden. Bei besonders schweren bzw. erheblichen oder wiederholten Fällen kann diese Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 5.000€ geahndet werden. Das VG-Ordnungsamt wird entsprechende Kontrollen an den entsprechenden Stellen durchführen.
    Wildlebende Tiere können sich bestens selbst mit geeigneten Nahrungsmitteln versorgen. Das Füttern von Wildtieren schadet vielmehr der Umwelt und sogar den Tieren selbst. Um sie noch lange genießen zu können, möchten wir die Natur auch Natur sein lassen.


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