Kinder brauchen Nähe

    Wie die Kita Kuhardt mit der Corona-Krise umgeht

    Schockstarre. So lässt sich die Reaktion auf die erste Corona-Bekämpfungsverordnung, die ausgerechnet am Freitag, 13. März, herausgegeben wurde und ab Montag, 16. März in Kraft trat, am ehesten beschreiben. Doch dem ersten Schock folgte schnell ein professioneller Umgang mit der Situation: Das Team der Kita „Schatzkiste“ in Kuhardt machte sich viele Gedanken, wie sich die Hygienemaßnahmen am besten umsetzen lassen und wie man Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen, unterstützen kann.

    Schon im Vorfeld der Verordnung sei Corona präsent gewesen – unter anderem durch die Pressemitteilungen von Landkreis und Land. „Wir wurden entsprechend informiert hinsichtlich Händewaschen und der Nies- und Hustetikette“, berichtet Sarah Bohlender, Leiterin der Kuhardter Kita. Besonders schwierig sei die Anpassung nicht gewesen, denn das Team habe schon zuvor hohe viele der Maßnahmen angewandt. „Sich oft die Hände zu waschen, mit den Kindern oft nach draußen zu gehen – das haben wir schon vorher gemacht.“

    Das Team der Kita "Schatzkiste"

    Dennoch: Die Nachricht der Schließung von Kitas und Schulen war ein Hammerschlag. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kita: Binnen 72 Stunden musste das Kita-Team Maßnahmen erarbeiten, um die Notbetreuung zu gewährleisten und musste prüfen, wie die Vorgaben der Corona-Bekämpfungsverordnung umgesetzt werden können. „Ich habe mich gefragt: Passiert das gerade wirklich? Ist das real? So eine Situation gab es noch nie, ich hätte mir nicht träumen lassen, dass so etwas passieren kann – da fällt man schon aus allen Wolken“, berichtet die stellvertretende Kita-Leiterin Anna Husk.

    Nach dem ersten Gespräch mit Ortsbürgermeister Christian Schwab dann sonntags der Krisenstab mit den Leitungen der anderen Kitas in der Verbandsgemeinde und Verwaltungschef Matthias Schardt. Dort wurde informiert und diskutiert, am Ende war klar: Ab Montag geht es mit der Notbetreuung los. Sarah Bohlender lobt die transparente Kommunikationspolitik der Verbandsgemeindeverwaltung: „Der Krisenstab macht sehr gute Arbeit, es wurde viel kommuniziert über unterschiedliche Medien. Das hat geholfen, das Angebot der Notbetreuung bekannt zu machen“.

    Montags wurde es dann ernst: Die Notbetreuung startete – zunächst nur mit zwei Kindern, im Laufe der letzten Wochen und Monate kamen immer mehr dazu. Christian Schwab war montags in der Kita vor Ort, um sich über den Stand der Dinge zu informieren, er kümmert sich auch um die Erstgespräche mit den Eltern, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen wollen. Die Abstimmung klappe hervorragend, hebt Sarah Bohlender hervor. Stand heute besuchen 30 Kinder die Kita, manche täglich, andere nur dann, wenn die Eltern an diesem Tag keine Möglichkeit haben, ihren Nachwuchs selbst zu betreuen.


    Pädagogisch musste sich die Kita dabei durchaus umstellen: Ohne Elternabende und persönliche Gespräche entfallen die üblichen Kommunikationskanäle. Stattdessen schreiben die Erzieherinnen jedem Kind seinen persönlichen Wochenrückblick, der den Eltern zeigt, was ihr Kind erlebt hat. „Am Ende der Woche nehmen sie den Wochenrückblick mit heim und können mit ihrer Familie abseits von Corona über die schönen Erlebnisse sprechen“, erklärt Sarah Bohlender.

    Corona-gerecht umgestaltet wurde auch der Alltag in der Kita: Eine Erzieherin kümmert sich um vier bis fünf Kinder, der normale Tagesablauf mit Kinderkonferenz, bei der die Kinder ihren Tages- und Wochenablauf selbst planen, ist derzeit nicht möglich, weil sie nicht in ihrer normalen Gruppenkonstellation zusammen sind – doch er läuft langsam wieder an. „Ich wünsche mir, dass wir Mitte Juni in den erweiterten Regelbetrieb übergehen können, darauf sind wir auch vorbereitet. Dann können wir wieder den ganz normalen Alltag mit den Kindern leben“, so Sarah Bohlender.

    Gegenseitig Halt geben
    Das Team – 16 pädagogische Fachkräfte, zwei Auszubildende, eine Hauswirtschaftskraft und zwei Reinigungskräfte – sei seit Beginn der Krise vollzählig im Einsatz gewesen. „Wir sind hier in unserer Safe Base, unser Team ist in dieser Zeit noch enger zusammengewachsen. Wir haben uns in dieser Krisen- und Ausnahmesituation gegenseitig Halt gegeben, sind verantwortungsvoll miteinander umgegangen und waren nicht allein. Dass wir arbeiten gehen durften und zumindest halbwegs einen alltäglichen Ablauf hatten, hat dabei geholfen, darüber sind wir sehr froh. Und auch die Kinder sind glücklich. Sie leben im Hier und Jetzt und verstehen manche Sachen noch nicht – aber sie zeigen uns, dass das Leben Spaß macht. Immer noch“, sagt Anna Husk lächelnd. Die Kinder passen sich den neuen Regeln dabei spielend an. Dass die Eltern in der Bring- und Abholzeit draußen warten müssen, sorgt nicht für Tränen, im Gegenteil: „Von den Zwei- bis zu den Sechsjährigen: Sie gehen stolz mit ihrem Rucksack auf dem Rücken in die Kita:“

    Auch die Eltern sind froh, dass es die Notbetreuung gibt: Viel positives Feedback der Eltern und Familien aus Kuhardt habe das Team erhalten, erzählt Sarah Bohlender. Eltern schicken Fotos, schreiben mit ihren Kindern gemeinsam Briefe, die Kinder malen Bilder – und manchmal liege auch eine Schachtel Merci auf der Treppe. Auch über die Eltern hinaus sei der Zuspruch riesig: „Wir hören oft: Das macht ihr gut, ihr habt gute Ideen“, so Sarah Bohlender.

    Und die hat das Team, wie ein Blick in den Ordner „Ideenbox“ zeigt: Es gibt Bastelanleitungen für zuhause, eine Anleitung für selbst gemachte Seifenblasen, und, und, und. Alles für die Langeweile-Bekämpfung in Zeiten der Corona-Bekämpfung. „Wir wollten etwas anbieten, das alle Eltern mit ihren Kindern machen können, ungeachtet der räumlichen Verhältnisse. Nicht jeder hat die gleichen Voraussetzungen“, betont Sarah Bohlender. Darüber hinaus gibt es zweimal die Woche Elterninformationen zu unterschiedlichen Themen – von Angst und Konflikten über Ruhepausen, die Alltagsgestaltung und mehr. „Wir wollen den Eltern etwas an die Hand geben, angelehnt an unsere pädagogische Arbeit.“

    Corona hin, Corona her – eines steht fest: Kinder brauchen Nähe. Das war vor dem Virus so, das ist in der Krise so und wird auch so bleiben: „Kinder wollen Dich umarmen, sie wollen mal auf den Schoß oder ein Buch vorgelesen bekommen. Das ist auch Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit“, so Sarah Bohlender. Und wie alle Bürgerinnen und Bürger hofft auch das Team der Kita „Schatzkiste“, dass die Krise bald ausgestanden ist – bis dahin gilt: #xundbleiwe.

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