Immer da

    Wie die Feuerwehr mit der Corona-Krise umgeht

    Virus hin, Krise her: Brände und sonstige Gefahrensituationen nehmen keine Rücksicht auf Kontaktbeschränkungen. Die Freiwillige Feuerwehr wird immer gebraucht. Entsprechend haben sich die Feuerwehrleute schon weit vor der Bekanntgabe des Lockdowns am 13. März auf die veränderte Situation vorbereitet – und haben die Verwaltung seit der Einrichtung des Krisenstabes am 12. März mit ihrem Fachwissen tatkräftig unterstützt.

    Die Feuerwehr war schon lange vor der 3. Corona-Bekämpfungsverordnung mit den ersten Auswirkungen der Krise beschäftigt: Der stellvertretende Wehrleiter der Verbandsgemeinde, Wolfgang Sinn, betreute Anfang Februar für eine Woche das Infotelefon des Landkreises Germersheim für die in Quarantäne befindlichen Rückkehrer aus Wuhan, dem chinesischen Epizentrum des Virus. Entsprechend war die Feuerwehr nicht völlig unvorbereitet – aber „mit dem Ausmaß konnte niemand rechnen“, betont Wolfgang Sinn.

    Andreas Leingang (Wehrleiter der Verbandsgemeinde), Jonas Bart (Pressesprecher der Feuerwehren der Verbandsgemeinde), Matthias Serr (Wehrführer Leimersheim), Wolfgang Sinn (stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde) (von links)

    Die Feuerwehr hatte sich schon vor Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen bereits auf die Krise eingestellt: „Am Freitag, 6. März, haben wir zwar noch unsere Jahreshauptversammlung in Rülzheim gemacht, am Wochenende darauf kam dann das von uns erwartete Schreiben, dass wir als systemrelevant gelten und so wenige Übungen wie möglich machen und so gut es geht Kontakte vermeiden sollen“, erklärt Wehrleiter Andreas Leingang. Deshalb habe man schon ab Sonntag für jede Einheit Einsatzmannschaften gebildet und die Fahrzeugstärke reduziert sowie Tages- (6 bis 18 Uhr) und Nachtschichten (18 bis 6 Uhr) eingeteilt. „Wir wollten mit unseren Planungen der Pandemie und den daraus folgenden Maßnahmen immer einen Schritt voraus sein, was uns auch gelungen ist“, so Andreas Leingang.

    Feuerwehr unterstützt Krisenstab
    Wer eingeteilt war, konnte während seiner Schicht seinen Heimatort nicht verlassen, denn aufgrund der Einschränkungen durften nur die tatsächlich eingeteilten Feuerwehrleute der jeweiligen Ortsgemeinde ausrücken – also musste sichergestellt werden, dass die Feuerwehr schnellstmöglich reagieren kann. Alle anderen Wehrleute mussten zuhause bleiben und fuhren das Gerätehaus nur bei einem Nachalarm an. „Das ist für einen Feuerwehrler wirklich hart – wenn der Alarm losgeht und man nicht helfen darf“, sagt Matthias Serr, Wehrführer Leimersheim.

    Neben der Brandbekämpfung half die Feuerwehr auch im Krisenstab der Verbandsgemeinde mit: Wehrleiter Andreas Leingang war von Anfang an dabei, wirkte gar bei der Einrichtung des Gremiums entscheidend mit. Er informierte dort über die aktuelle Entwicklung im Kreis, kümmerte sich um die Beschaffung von FFP2-Masken für Braun’sches Stift und andere besonders kritische Bereiche und gab seine Einschätzungen zu künftigen Maßnahmen. Und apropos Masken: Lange vor der allgemeinen Maskenpflicht für die Bevölkerung war die Feuerwehr nur noch mit FFP2-Masken im Einsatz.

    Auswirkungen auf die Häufigkeit der Einsätze hatten die Kontaktbeschränkungen interessanterweise nicht: Die Feuerwehr musste im Schnitt genauso häufig ausrücken wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres – nur die Art der Einsätze habe sich geändert. „Brände wegen angebranntem Essen kamen wesentlich weniger vor“, so Wolfgang Sinn.

    Abgesagte Lehrgänge sorgen für Frust
    Trotz der hervorragenden Vorbereitung: Die Corona-Krise traf auch die Feuerwehr mit voller Wucht: Die Atemschutzübungsstrecke des Landkreises Germersheim, die sich in Rülzheim befindet, musste stillgelegt werden, sämtliche Übungen, Lehrgänge, Kameradschaftsveranstaltungen und Jugendfeuerwehrübungen wurden abgesagt. „Das hat besonders die Nachwuchskräfte getroffen, die in der Grundausbildung sind. Sie hätten nach dem Abschluss des Truppmann-Lehrgangs am aktiven Dienst und somit an Einsätzen teilnehmen können und müssen jetzt ein Jahr warten. Da mussten wir die Kameradinnen und Kameraden wirklich trösten, das ist natürlich sehr frustrierend“, so Matthias Serr. Natürlich sei es auch für die anderen Teilnehmer der Lehrgänge, die grundsätzlich nur einmal im Jahr stattfinden und in einen Rahmenterminkalender eingebettet sind, der eine Verschiebung unmöglich macht, bitter gewesen. „Aber wer schon im aktiven Dienst ist, steckt das eher weg.“

    Nach Ostern wurden virtuelle Übungen zu theoretischen Themen abgehalten (Foto: Feuerwehr)

    Und natürlich sorgte auch die fehlende Möglichkeit zum gemütlichen Beisammensein für lange Gesichter: „Da geht es uns wie den Vereinen auch. Kameradschaft ist wichtig. Deshalb haben wir am 1. Mai einen Online-Stammtisch abgehalten, da haben wir uns um 19 Uhr alle zugeschaltet mit unserem Grillteller“, berichtet Andreas Leingang.

    Während die Übungen ausgesetzt waren, habe man sich auf Landkreisebene unter den Wehrleitern zweimal die Woche in Telefonkonferenzen vernetzt und Informationen ausgetauscht sowie an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet. Auch die Führungskräfte der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rülzheim „trafen“ sich wöchentlich in einer Online-Konferenz, um die aktuellen Entwicklungen zu besprechen, Maßnahmen anzupassen und neue Entscheidungen zu treffen. Nach Ostern ging es dann zu den üblichen Übungszeiten mit virtuellem Training los. „Angefangen haben wir mit Fahrzeugkunde, auch Funk und Gefahrstoffe standen auf dem Plan. Natürlich haben wir nur die Theorie behandelt, alles andere ging ja nicht“, fasst Jonas Bart, Pressesprecher der Feuerwehren der Verbandsgemeinde, zusammen.

    #immerda – dank Social Media
    Die Corona-Krise hatte noch einen weiteren Aspekt: Die Feuerwehren der Verbandsgemeinde hatten währen der Faschingszeit mit ihrer Show-Darbietung „#immerda“ Aufmerksamkeit für ihre Tätigkeit geweckt. „Die Resonanz war da, es gab Interessierte, die wir auch gerne mitgenommen hätten. Da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so Matthias Serr. Zumindest bei Instagram und Facebook blieb die Feuerwehr aktiv, startete unter anderem eine Ausmal-Challenge für Kinder und berichtete aus dem Corona-Alltag. Besonderer Höhepunkt zu Ostern: Die Auslieferung der 1.700 Oster-Hoffnungs-Tüten in der Verbandsgemeinde unter tätiger Mithilfe der Feuerwehrleute – und des Fahrzeugs der Einheit Leimersheim, in das tatsächlich alle 1.700 Tüten auf einmal reinpassten.

    Maskenpflicht: Für die Feuerwehr schon vor der entsprechenden Verordnung selbstverständlich (Foto: Feuerwehr)

    Inzwischen sind Übungen wieder erlaubt – wenn auch unter Auflagen wie Mindestabstand und Maskenpflicht. Für die Feuerwehrleute kein Problem, sind sie doch längst schon daran gewöhnt.  Unabdingbare Wartungen und Prüfungen liefen ohnehin auch während des Lockdowns weiter, völlig außer Übung waren die Feuerwehren der Verbandsgemeinde also nie. Andreas Leingang hebt das große Engagement aller Feuerwehrleute während der Krise hervor: „Ich möchte mich ausdrücklich dafür bedanken, dass alle die nötigen Maßnahmen und Einschränkungen im Einsatz- und Übungsdienst klaglos mitmachen und somit dafür sorgen, dass die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rülzheim weiterhin einsatzbereit und der Schutz der Bevölkerung im Einsatzfall sichergestellt ist.“

    Trotzdem hoffen alle, dass es weitere Lockerungen geben wird. Bis dahin gilt: #xundbleiwe!

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