Höchste Sicherheitsstufe

    Wie die Sozialstation mit Corona umgeht

    Und plötzlich ist nichts mehr wie zuvor: Über 600 Kundinnen und Kunden betreut die Sozialstation Rülzheim-Bellheim-Jockgrim, hinzu kommen noch einmal 700 Kunden, die Pflegegeld beziehen und mehrfach jährlich beraten werden. Dafür stehen 42 Autos und 105 festangestellte Mitarbeiterinnen bereit. Als am 13. März die weitreichenden Kontaktbeschränkungen verkündet werden, sind diese sehr verunsichert. Doch das Team der Sozialstation ist gut vorbereitet und meistert die Situation souverän.

    Noch vor Corona: Die Mitarbeiterinnen der Sozialstaion mit einem Teil des Fuhrparks

    Das größte Problem war das Schutzmaterial: „Wir hatten zu Beginn der Krise nicht ausreichend Mund-Nasen-Schutzmasken, das war für unser Personal und natürlich auch die Kundinnen und Kunden sehr beunruhigend“, räumt Geschäftsführerin Gabi-Xander-Decker ein. Die waren zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht verpflichtend, für das Sicherheitsgefühl aber unerlässlich. Also war Organisationstalent gefragt: Binnen kürzester Zeit gelang es, Frauen aus Leimersheim und den anderen Ortsgemeinden zu motivieren, Mund-Nasen-Schutzmasken zu nähen, so dass Ende März ausreichend Masken zur Verfügung standen. Mitte April spendeten die Firmen Formech und Markus Wolf Kieswerk aus Leimersheim zudem 100 Spuckschutz-Visiere.

    Aufgrund der grundsätzlich hohen Hygienestandards in der Pflege mussten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansonsten kaum umstellen: „Durch den engen Kontakt zu pflegebedürftigen und kranken Menschen kommen wir immer mit Erregern in Form von Bakterien, Viren und Pilzen in Kontakt. Hygieneregeln begleiten uns deshalb immer im Arbeitsalltag und ist wichtiger Bestandteil während unserer Ausbildung“, so die Geschäftsführerin. Dennoch mussten Hygienekonzepte überprüft und angepasst, Dienst- und Tourenpläne umgeschrieben und nicht zuletzt das Tagesbegegnungszentrum geschlossen werden. „Unsere ehrenamtlichen Helfer und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen standen plötzlich ohne Arbeit da.“

    Der Pandemieplan steht
    Bereits eine Woche vor Bekanntgabe der Kontaktbeschränkungen stand der Pandemieplan der Sozialstation: Wie andere Einrichtungen durften die Räumlichkeiten nur noch vom Personal betreten werden, Beratungsgespräche wurden telefonisch geführt. Die vorgeschriebenen halbjährlichen Hausbesuche bei Pflegegeldempfängern, bei denen überprüft wird, ob die Qualität der Pflege stimmt, wurden zunächst ausgesetzt. Pflegehilfskräfte durften einfache medizinische Arbeiten übernehmen, beispielsweise vorgerichtete Medikamente verabreichen, Kompressionsstrümpfe an- und ausziehen und Grundpflege übernehmen. Durch diese Ausnahmegenehmigungen sollte Versorgungsengpässen für den Fall des Pflegepersonalmangels entgegengewirkt werden.

    Parallel dazu wurden die Kundinnen und Kunden per Brief über die Maßnahmen informiert, intern wurden die Räumlichkeiten umorganisiert. Das geschlossene Tagesbegegnungszentrum wurde zu einem weiteren Gruppenraum, so dass die vier Teams der Sozialstation räumlich getrennt waren. Mitarbeiter durften sich maximal zu zweit in einem der Räume aufhalten – und auch das nur mit Mundschutz und vorheriger Handdesinfektion. Auch das Orga-Team teilte sich auf: Eines arbeitete von zuhause, das andere vor Ort.

    Während die häusliche Pflege unvermindert weiterlief, verzichteten viele der Kundinnen und Kunden dagegen auf die hauswirtschaftliche Hilfe durch die Sozialstation. „Die Kunden waren sehr verunsichert, deshalb gab es in diesem Bereich zunächst viele Absagen“, berichtet Gabi Xander-Decker. Zur Verunsicherung trug anfangs auch der Mangel an Mund-Nasen-Bedeckungen beziehungsweise der verbreitete Glaube, dass nur FFP-2-Masken wirksam schützen, bei. „Darauf haben sich alle versteift – obwohl wir uns mit Hygiene auskennen und das unser Kerngeschäft ist, kam immer wieder die Frage auf, warum die Schwestern denn keinen Mundschutz tragen.“

    So sei es zur Entscheidung gekommen, zunächst Behelfsmasken zu tragen. Parallel hat die Sozialstation Masken zu astronomischen Preisen eingekauft. „Jetzt hoffen wir natürlich, dass die Kosten für die überteuerten FFP2 Masken über den Corona-Rettungsschirm refinanziert werden.“, erklärt Gabi Xander-Decker.

    Die Lockerungen, die es inzwischen gibt, ändern wenig am Tagesablauf der Sozialstation: Die Pflege bei den Kundinnen und Kunden läuft nach wie vor auf höchstem Sicherheitsniveau – wie schon immer. Die Schwestern tragen Masken, desinfizieren sich vor und nach jedem Besuch die Hände und fragen nach Krankenhausaufenthalten und ob es Kontakte zu Corona-Verdachtsfällen gab. Auch Besucher können die Sozialstation wieder betreten – mit Maske und Kontakterfassung, wie in der Gastronomie auch. Die Beratungsbesuche und Erstbesuche laufen ebenfalls wieder an.


    Gemeinsam für die Kundinnen und Kunden: Das symbolisiert dieses Bild aus der Vor-Corona-Zeit

    Bedarf nach Betreuungsangebot im Tagesbegegnungszentrum ist da
    Derzeit erreichen Gabi Xander-Decker häufig Anrufe, wann das Tagesbegegnungszentrum wieder öffnet. „Wir überarbeiten derzeit unser Hygienekonzept. Die Schwierigkeit ist, dass die Tagesgäste am Abend nach Hause zurückkehren und wir nicht wissen, mit wem sie zu Hause zusammentreffen. Das bedeutet, wir müssen regelmäßig morgens, mittags und abends Fieber messen und weitere Vorkehrungen treffen. Unsere Deadline, bis zu der das Konzept stehen muss, ist der 30. September. Dann wissen wir auch, ob es weitere Lockerungen gibt.“

    Für die Zeit nach Corona nimmt Gabi Xander-Decker auch einige positive Erkenntnisse mit: „Homeoffice funktioniert bei uns sehr effektiv. Ob Pflegedienstleitung, deren Stellvertretung oder ich als Geschäftsführerin – wir konnten jeder mindestens einen Tag von zuhause aus arbeiten, das hat hervorragend funktioniert. Und da wir in der Arbeitsgemeinschaft für die ökumenischen Sozialstationen organisiert sind, der sich über die ganze Pfalz erstreckt, fanden die Treffen oft in Pirmasens oder Kaiserslautern statt – das sind sehr lange Anfahrtswege. Das konnten wir uns durch die Telefonkonferenzen ersparen. Durch die Einsparung der langen Fahrtwege reduzierten sich die Zeiten auf ein bis zwei Stunden, das war ein richtiger Gewinn, weil wir uns sehr viel schneller wieder unserem Tagesgeschäft widmen konnten.“

    Trotzdem hofft Gabi Xander-Decker, dass es bald weitere Lockerungen geben wird und das Tagesbegegnungszentrum wieder öffnen kann. Bis dahin gilt: #xundbleiwe.

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