„Die Kinder sind froh, wieder herkommen zu können“

    Wie die GS Leimersheim mit der Corona-Krise umgeht

    Gut vorbereitet waren die Lehrerinnen der Kardinal-Wendel-Grundschule in Leimersheim durchaus auf die mögliche Schulschließung wegen des Corona-Virus.

    Und doch war es ein unwirkliches Gefühl, als sie am Freitag, 13. März, die Nachricht erhielt, dass ab dem darauffolgenden Montag die Schule schließen muss, sagt Schulleiterin Kerstin Schröfel. Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als sie davon erfuhr: „Es war freitags um 11.15 Uhr, ich war in der Sporthalle. Ich habe sofort die Halle verlassen und habe die Kolleginnen zusammengetrommelt, dass wir uns auf die Schließung vorbereiten müssen.“

    Das Kollegium hatte sich glücklicherweise schon im Vorfeld mit der Möglichkeit der Schließung befasst. „Wir haben den Schülerinnen und Schülern einen Teil der Pläne und Aufgaben und die Schulbücher mit nach Hause gegeben. Übers Wochenende haben wir dann über unsere Schulhomepage weitere Aufgaben bereitgestellt. Inzwischen stehen sonntagabends die neuen Pläne für alle Klassen bereit.“

    Die Kinder erledigten die Aufgaben dann zuhause mit ihren Eltern, die Lehrerinnen der Grundschule standen dabei jederzeit für Fragen zur Verfügung. Korrekturen wurden in den ersten Wochen keine gemacht, denn das Kultusministerium habe vorgegeben, dass Kontaktvermeidung wichtiger sei als Korrekturen. Trotzdem: Die Kinder brauchten Rückmeldungen. Also ließ sich eine Lehrerin der vierten Klasse einmal die Woche die Aufgaben vorbeibringen, korrigierte sie und die Eltern konnten sie dann wieder abholen  – natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Nach den Osterferien übernahmen alle Kolleginnen dieses System. Die unterschiedlichen Regelungen in den vier Grundschulen sorgen durchaus für Diskussionen unter den Eltern.

    Bürgermeister Matthias Schardt betont: „Die aktuelle Situation und die entsprechenden Regelungen sind selbstverständlich eine Zumutung für alle Beteiligten, für die Eltern ebenso wie für die Schulen. Das fängt beim Infektionsschutz an und hört bei der Personalausstattung der Schule auf. So kommen unterschiedliche Lösungen zustande.  Wir haben Verständnis für die Kritik der Eltern, aber die Schulen haben hier ihr Möglichstes getan.“

    Die Notbetreuung, die parallel zur Schulschließung für Eltern eingerichtet wurde, die systemrelevante Berufe ausüben, wurde anfangs kaum in Anspruch genommen: Bis zu den Osterferien war nur ein Kind auf die Notbetreuung angewiesen; erst mit der Erweiterung der Kriterien nach Ostern wurden es mehr – zuerst vier, inzwischen hat es sich zwischen sieben und acht Kindern eingependelt. Die Notbetreuung steht auch jetzt, mit der schrittweisen Wiederaufnahme des Schulbetriebs über die vierten Klassen hinaus, weiter offen.

    Das ist auch richtig so, findet Kerstin Schröfel: „Der Leidensdruck der Familien wird größer, schließlich hält die Situation schon seit neun Wochen an. Den Spagat zwischen Homeschooling der Kinder und Homeoffice für den Arbeitgeber wird schwieriger. Deshalb haben wir betroffenen Eltern Plätze in der Notbetreuung angeboten.“

    Keine Bauchschmerzen bei Viertklässlern
    Vor drei Wochen öffnete die Schule dann wieder für die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse. Ein Ende also der vom Boulevard so genannten „Corona-Ferien“. Kerstin Schröfel verzieht bei dem Begriff das Gesicht – schließlich haben die Kinder während der Schließung weiter gelernt – und durften außerdem nicht mit ihren Freunden spielen. Ferien sehen anders aus. Entsprechend sind die Kinder froh, dass sie wieder in die Schule gehen können. „Sogar die, die vorher nicht gerne zur Schule gegangen sind.“


    Die Wiederaufnahme des Schulbetriebs im wöchentlichen Wechsel funktioniere jedenfalls reibungslos: Jeweils acht Kinder sind vor Ort, die anderen acht lernen zuhause. Bauchschmerzen vor der Öffnung hatte sie keine: „Die Regelung hat sich als sehr gut erwiesen, man kann sich im Klassensaal bewegen und trotzdem den Abstand halten. Auch in den Pausen funktioniert das sehr gut. Die Viertklässler verstehen die Regeln, auch wenn sie es beim Spielen manchmal vergessen. Aber das haben wir gut im Blick“, so Kerstin Schröfel. Auch das Betreten und Verlassen des Gebäudes und das Händewaschen sind strikt geregelt – die einen waschen sich die Hände im eigenen, die anderen Kinder in einem anderen Klassensaal. „Sonst dauert das zu lange. Auch an sowas muss man denken.“

    Inzwischen habe man die Präsenzzeiten umstrukturiert: Statt wochenweise wechseln sich die beiden Gruppen der vierten Klasse tageweise ab – auch die Eltern sind mit dieser Regelung zufrieden, weil der Bruch zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht nicht so sehr ins Gewicht fällt wie beim wöchentlichen Wechsel. Auch für die Drittklässler, die seit 25. Mai wieder zur Schule gehen, gilt diese Regelung. Das ist möglich, weil kleinere Schulen – und dazu zählt auch die Kardinal-Wendel-Schule – individuelle Lösungswege für den Schulbetrieb ausdrücklich suchen dürfen. Die Schulrätin hat die Regelung für plausibel befunden und daher abgesegnet.

    Ab 8. Juni kehren auch die Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse wieder für vier Wochen zurück. Dann endet das Schuljahr. Die Erstklässler kommen dabei nur für zwei Stunden in die Schule; die erste Gruppe von 8.15 bis 10.15 Uhr, die zweite Gruppe von 10.30 bis 12.30 Uhr. Eine Frühstücks- und große Pause gibt es nicht. So will Kerstin Schröfel gewährleisten, dass die Kinder jeden Tag Unterricht haben und gleichzeitig die Gruppengröße so bleibt, dass die Lehrerinnen auf die Abstandsregeln achten können.

    Das Gelbe vom Ei sei das natürlich nicht, weiß die Schulleiterin: „Eine Mutter meinte, dass es sich kaum lohne, die Kinder für zwei Stunden in die Schule zu schicken. Und natürlich würden die Eltern ihre Kinder lieber den ganzen Vormittag zur Schule schicken, aber das können wir derzeit nicht bieten.“ Generell stößt die Regelung aber auf große Zustimmung – und wer Betreuungsbedarf am Nachmittag hat, für den findet das Team der Schule ebenfalls eine Lösung.

    Mehr Verständnis für die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer hat die Corona-Krise jedenfalls gebracht, glaubt Kerstin Schröfel: „Lehrer für die eigenen Kinder zu sein, ist durchaus schwierig, denn man muss sich ja auch mit Inhalten befassen, die man längst nicht mehr präsent hat.“ Und noch etwas hat Corona bewirkt: Entschleunigung im Alltag. Die Schulleiterin wünscht sich, dass das auch nach der Rückkehr zum normalen Leben anhält. Und bis dahin gilt: #xundbleiwe

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