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| Rülzheim |
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| Geschichtliches |
| Rülzheim ist eines der ältesten Dörfer der Pfalz. Seine Entstehung wird in der Epoche der fränkischen Landnahme (450 bis 600) vermutet. Erwähnung findet der Ort in Urkunden vom 12.Juni, 24.Juni und 8.Juli des Jahres 774 sowie um 800. Der Ortsname wird heute als Heim des Ruodleich gedeutet. Nach einer früheren Version soll Ruolechisheim auf einen Ort an einem Weiher, aus dem ein Bach fließt, hinweisen. Der Edle Rudolf von Zeiskam tauschte in den Jahren 957 und 960 auch zu Rülzheim sein salisches Land und einen Herrenhof ohne Gebäude an Bischof Gottfried zu Speyer. 1175 hält Kaiser Friedrich 1. sich in Rülzheim auf und bestätigt die Schenkung einiger Rebgelände des Ritter Cunrad von Rülzheim an das Kloster von Hördt. Die Burg der Ritter von Rülzheim soll ehedem auf der Anhöhe nördlich der Kirche, im heutigen "Kammerten", gestanden haben. Der Deutschorden faßte in Rülzheim durch eine Schenkung König Heinrich des VII. 1234 Fuß. Zehnt- und Patronsrecht Rülzheims wurden 1367 vom Deutschen Ritterorden käuflich erworben und gehörte demselben bis zur Auflösung des Ordens im Jahre 1805. Der letzte Rülzheimer Ordenspriester, Pfarrer Peter Loeser, starb 1816. Zwischen Rülzheim und Rheinzabern wurde 671 oder 672 auf der Reise zu König Hilderich 11. der Bischof von Maastricht, der hl. Theodard, ermordet. Das heutige Dieterskirchel erinnert an dieses Ereignis. Das St. Rochusfest, das heute noch begangen wird, erinnert an die Rinderpest, die um 1667 in Rülzheim wütete. Die Braun'sche Armen- und Krankenhausstiftung entstand 1846. Waren die Einwohner des Ortes früher rein katholisch, so entwickelte sich im Laufe der Zeit auch eine jüdische und eine evangelische Gemeinde. Die Rülzheimer Jüdische Gemeinde war einstmals eine der größten in der Pfalz. Noch in den Jahren 1930 - 1933 zählte Rülzheim 196 jüdische Mitbürger. Die Evangelische Kirchengemeinde entwickelte sich im wesentlichen nach dem 2. Weltkrieg. 1981 war sie auf 449 Seelen angewachsen. Ihr gehörten noch die evangelischen Christen von Kuhardt und Leimersheim an. Die erste Kirche, Christuskirche genannt, wurde 1968 in Dienst gestellt. Das industrielle Zeitalter wurde in Rülzheim 1871 mit der ersten Zigarrenfabrik durch Fabrikant Ludwig Moekel eingeführt. Die letzte Zigarrenfabrik wurde 1956 geschlossen. Die Zahl der haupt- als auch die der nebenberuflichen Bauern ging sehr stark zurück, ebenso die Viehhaltung. Sehr wichtig sind die Sonderkulturen Tabak (1977 wurden 45 Hektar angebaut, Ernteertrag 2044 Zentner) und Spargeln (1977 wurden von 126 Pflanzen 74.355 Kilogramm vermarktet). Die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse wandelten auch die Struktur des Ortes. Aus dem Bauerndorf entwickelte sich in erster Linie eine moderne Arbeiterwohnsitz- und Sozialgemeinde, in der Handel und Handwerk zusammen mit kleinen und mittleren Industriebetrieben das wirtschaftliche Leben bestimmen. Der Ort, schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit vorbildlichen sozialen Einrichtungen ausgestattet, baute, auf die heutigen Bedürfnisse einer modernen Leistungsgesellschaft abgestellt, seine Infrastruktur und Sozialfunktionen aus. So entstanden: Schwesternhaus und Wöchnerinnenstation der Braun'schen Stiftung (1960); sie wurden inzwischen in den Gesamtkomplex der Braun'schen Stiftung integriert, weil aus medizinischen Erkenntnissen die Entbindungen in Kliniken erfolgen. Volksschulneubau (1963), Kläranlage (1963), Turnhallenneubau (1967), Leichenhalle (1968), Sportanlagen (1971), Allwetterbad mit Sandspiellandschaft (1972), Altenheim (1973), Kindergarten (1973), Feuerwehrgerätehaus (1973), Freizeithaus (1974), Sozialstation e.V. (1975), Campingplatz (1975), Kinderheim (1978), Verwaltungsgebäudeneubau mit Bürgerkeller (1978), Hauptschule mit Sporthalle (1980), Nachbarschaftsspielplatz mit Festwiesenhaus (1981). 1984 wurde das Freizeitzentrum nach Umbau als Spiel- und Spaßbad "Moby Dick" in Dienst gestellt. Die Ortskernsanierung hat richtungsweisende Gestalt angenommen. Neben den öffentlichen Neubauten haben der neugestaltete Deutschordensplatz sich positiv auf das Gesamtbild und die Parkzonen wohltuend auf den Straßenverkehr ausgewirkt. Erholungssuchende benutzen unter anderem auch den Freizeitweg, der von der Ortsmitte ins Freizeitzentrum führt. Der Ausbau der Sozialfunktionen wirkt sich sehr belebend auf das gesellschaftliche Gefüge in der Gemeinde aus. Davon zeugen nicht nur die verstärkten Vereinsaktivitäten auf allen Gebieten des täglichen Lebens, sondern auch viele neue Vereinsgründungen in den letzten Jahren. |