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| Geschichtliches |
Frühe Funde zeigen, dass unsere Gegend sehr früh besiedelt war, was auch das Alter umliegender Gemeinden zeigt. Trotz der Funde auf unserer Gemarkung, z.B. eines Stückes eines Steinhammers aus der Jungsteinzeit zwischen 3000 und 1800 v. Chr., eines Bronzeschwertes aus der Hallstattzeit etwa 750 v. Chr. oder Bruchstücke von Terra-Sigillata-Geschirr oder eines Brückensteins am Rottenbach haben wir keinen schriftlichen Hinweis auf eine Besiedlung in unseren Gemarkungsgrenzen, auch wenn sich der Name „Kuhardt“ aus dem lateinischen Wort „Cohors“, was so viel bedeutet wie Weideland, ableitet. So bleibt die Zeit der Besiedlung unserer Gegend durch die Römer oder durch germanische Stämme wie die „Alemannen“ oder die „Franken“ für unseren Ort im Dunkel der Geschichte, obwohl manches auf eine ältere Besiedlung hindeutet. Sozusagen das Licht der Welt erblickte unser Dorf mit der Erwähnung als „Cohart“ im Stiftungsbrief eines Edelmannes namens Herimannus. Dieser stiftete das Augustiner-Chorherren-Stift in Hördt am 9. Februar 1103 im Beisein von Kaiser Heinrich IV. und des Speyerer Bischofs Johannes dem Dom zu Speyer und widmete es Unserer Lieben Frau, der Gottesmutter Maria. Der Bau des Klosters war schon abgeschlossen und die Stiftungsurkunde war nur noch die rechtliche Grundlage. Damit wurde eine über Jahrhunderte reichende gemeinsame Geschichte des Dorfes Kuhardt mit dem Kloster Hördt begründet. Das Stift, bekannt als Propstei Hördt, so genannt, weil der Klostervorsteher ein Propst war, erreichte im Reichsgebiet einen hohen Bekanntheitsgrad, bis es in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg aufgelöst wurde. Wahrscheinlich um das Jahr 1200 gaben die Bischöfe von Speyer, die ja die vogteiliche Gerichtsbarkeit hatten, einen Teil des Propsteibesitzes den Grafen von Eberstein und Zweibrücken als Lehen, die diesen Besitz wiederum an die Herren von Fleckenstein verliehen. Kuhardt kam damit zur Burg Leimersheim. Am 2. Mai 1270 erwarb nun das Kloster Hördt zusammen mit dem Speyerer Domvikar Diether von Wachenheim mit Zustimmung des Bischofs Heinrich von Speyer von den beiden unmündigen Söhnen Friedrichs von Fleckenstein für 445 Mark reinen Silbers die Burg und das Dorf Leimersheim, die Dörfer Kuhardt und Winden - ein untergegangenes Dorf bei Leimersheim - und die Hälfte von Pfotz, dem heutigen Neupotz. Damit begann eine lange gemeinsame Geschichte des Klosters Hördt und der Klosterdörfer Hördt, Pfotz, Kuhardt und Leimersheim. Besonders eng war die Verbindung von Kuhardt und Leimersheim. Im 14. und 15. Jahrhundert hatten unsere Vorfahren immer wieder unter Kriegswirren, Pest, Typhus, Fleckfieber, Insektenplagen, sehr kalten und langen Wintern, trockenen Sommern, Ernteausfällen und Hungersnöten zu leiden. In all den Jahrhunderten waren die Dorfbewohner Grundhörige des Klosters und nur diesem gegenüber abgaben- pflichtig. Die Abgaben bestanden zunächst als Grundzinsen in Naturalien. Bekannt ist bestimmt der so genannte Zehnte, der als zehnter Teil der gewonnen Feldfrüchte und gezüchteter Tiere abzugeben war und der praktisch alle landwirtschaftlichen Produkte umfasste. Später kam es auch zu Geldzinsen. Daneben gab es die Frondienste, die die Untertanen unentgeltlich für das Kloster leisten mussten. Hierzu gehörten pflügen, säen, ernten, Mist fahren, Waldarbeit, Transportdienste, das Spinnen von Garn, das Weben von Tüchern und vieles mehr. Die Bauern hatten aber auch verschiedene Nutzungs-, Wasser-, Weide- und Holzrechte. Die Gerichtsbarkeit lag beim Grundherren. Alljährlich gab es im Dorf einen Vollgerichtstag, bei dem die Rechte und Pflichten der Untertanen bei läutender Glocke feierlich verkündet wurden. Im so genannten Weistum kam das gesamte Recht der Gemeinde zum Ausdruck, meist war dies Gewohnheitsrecht. Einen Einschnitt im religiös orientierten Leben der Kuhardter Bevölkerung bildeten die Jahre 1505, als in Kuhardt eine neue Kapelle gebaut wurde und das Jahr 1522. In diesem Jahr stiftete der erste Lokalkaplan, Conrad Zorn, ein Benefizium zur Heiligen Mutter Anna, deren Patronatsfest als Schutzpatronin von Kirche und Gemeinde heute noch feierlich begangen wird. In den folgenden Jahrhunderten blieb auch Kuhardt von den Kriegsereignissen, die die Pfalz heimsuchten, nicht verschont. Während des Bauernkrieges wurde das Kloster kurz nach Ostern 1525 von den so genannten Nußdorfer Bauern geplündert, dann setzten die Bauernhaufen der Bruhrainer und Badener bei Leimersheim im späten Frühjahr 1525 über den Rhein und plünderten das Kloster und die Klosterdörfer. Die Reformation machte auch vor den Untertanen in den Klosterdörfern nicht Halt und unsere Vorfahren hatten wechselnde Religionszugehörigkeiten. 1566 kam das vorläufige Ende des Chorherrenstiftes Hördt. Die Einkünfte und Güter wurden von Kurpfalz eingezogen und der geistlichen Güteradministration in Heidelberg unterstellt. Die Bewohner der Klosterdörfer waren nun Untertanen des Kurfürsten von der Pfalz und wurden damit selbstverständlich auch in die Kriegsereignisse des so genannten 30-jährigen Krieges 1618-1648 verwickelt, sahen verschiedene durchziehende Heere verschiedener Nationalität und verschiedene Herrschaften. In dieser Zeit kam Peter Krane als Propst 1637 nach Hördt und ließ das Kloster wieder wenige Jahre, bis 1642, bzw. 1649/1650, aufleben. 1638 wurde unser Dorf eingeäschert. In Kuhardt lebten schließlich nur noch vier Männer mit ihren Familien. Nach dem Krieg gehörte Kuhardt zur Kurpfalz. Mitte der siebziger Jahre des 17. Jahrhunderts überzog der französische König Ludwig XIV. das Oberamt Germersheim, zu dem auch Kuhardt gehörte, mit kriegerischen Auseinandersetzungen. 1680 war unsere Heimat schließlich von französischen Truppen besetzt. 1682 kam das Oberamt Germersheim, und damit auch Kuhardt, zu Frankreich, wo es bis zum Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1697 blieb. Auch im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714 hatte z.B. unsere Gegend schwer zu leiden. 1758 wurde in Kuhardt eine neue Kirche gebaut, und 1789 ein neues Schulhaus errichtet, das schon 1826 wieder einem Neubau weichen musste. Nach fast einem Jahrhundert relativer Ruhe wurde Kuhardt in Folge der Französischen Revolution französisch. Nach dem Ende der napoleonischen Ära kam Kuhardt mit weiten Teilen der Pfalz zu Bayern, wo es verwaltungsmäßig bis zum Ende des 2. Weltkrieges blieb. Eine rege Bautätigkeit und ein steiles Ansteigen der Bevölkerung war in den Folgejahren zu verzeichnen, z.B. wurde unser Wachthäusel 1835 erbaut. In dieser Zeit war Kuhardt keine eigenständige Gemeinde, sondern Teil der Doppelgemeinde Leimersheim - Kuhardt und wurde von Leimersheim aus mitverwaltet. Der Bürgermeister von Leimersheim war also auch Bürgermeister von Kuhardt. Doch zunehmend gab es bald Bestrebungen seitens der Kuhardter Bevölkerung nach Selbstständigkeit. Klagen wurden bei der bayerischen Regierung in Speyer eingebracht. Man fühlte sich vernachlässigt, notwendige Reparaturen an öffentlichen Gebäuden, besonders an Schule und Kirche, würden nicht durchgeführt, in Kuhardt gebe es keine Feuerlöschgeräte usw. Schließlich reifte der Plan einer Güteraufteilung, bei der Kuhardt jeweils ein Drittel des gemeinsamen Besitzes erhielt, der 1841 verwirklicht wurde. Der Grenzverlauf ist heute noch erkennbar. Schwierigkeiten gab es jedoch, weil Kuhardt mehr forderte, als Leimersheim bereit war abzutreten. Mit Schreiben vom 19. November 1843 wurde von der Bezirksregierung in Speyer mitgeteilt, dass Leimersheim und Kuhardt ab dem 1. Januar 1844 zwei selbstständige Gemeinden mit eigenen Bürgermeistern und eigenen Verwaltungen seien. Kuhardt war somit erstmals selbstständig mit eigenem Bürgermeister und eigenem Gemeinderat. Die Genehmigung wurde im Namen des Königs von Bayern ausgesprochen. Das 19. Jahrhundert war, abgesehen von den Freiheitsbestrebungen 1848/1849 und vom deutsch-französischen Krieg 1870/1871, eine ruhige Zeit. In dieser Zeit wurden nicht nur die Grundlagen unseres heutigen Gemeinwesens gelegt, sondern auch der Ruf Kuhardts als Zieglerdorf begründet. Nachdem zunächst in so genannten Feldziegelöfen gebrannt worden war, entstand kurz vor der Jahrhundertwende in Kuhardt eine Ziegelei nach heutiger Vorstellung. Kuhardter Ziegeleiarbeiter waren im pfälzischen, badischen und elsässischen Raum geschätzte Fachkräfte. In dieser Zeit setzte auch der Mengenanbau des Tabaks ein. Kuhardt bekam nicht von ungefähr den Beinamen „Tabakdorf“. Wir waren auf einmal das „Tabak- und Zieglerdorf Kuhardt“. Wie überall in Deutschland brachte auch in Kuhardt der 1. Weltkrieg viel Leid und Elend über die Bevölkerung. 38 Gefallene bedeuteten für unsere kleine Gemeinde einen großen Aderlass. Vor und nach diesem Krieg wurden viele Vereine gegründet, so z.B. 1913 der Gesangverein „Männerchor“. Das dörfliche Leben war geprägt von der Landwirtschaft. Aufschwung und Rezession waren die Begriffe der folgenden Jahre. Arbeitslosigkeit und die Machtergreifung Hitlers ebneten den Weg für das so genannte Dritte Reich und den 2. Weltkrieg mit all seinem Leid, seinem Elend, den Entbehrungen, den 71 Gefallenen und der Besatzungszeit. Doch die Jahrzehnte danach wurden auch für Kuhardt goldene Jahre des Aufbaus, des Aufschwungs und der Gestaltung der Infrastruktur. Nachdem unsere Gemeinde schon 1921 an das Stromnetz angeschlossen worden war, erfolgte 1952 die Verlegung der Wasserleitung, 1954 der Bau des Wasserwerkes, 1956 der Bau der Kanalisation und 1961 die Errichtung der Kläranlage. Wurde 1957 eine neue Kirche gebaut, so folgte 1963/64 der Neubau der Schule mit Turnhalle und Küche. Weitere Stationen in den letzten Jahrzehnten waren der Bau der Friedhofshalle 1969, der Bau des Kindergartens 1971, der Bau der Rheinberghalle, die 1980 eingeweiht wurde. Sie wurde zu einer weithin bekannten Sportstätte für Handball, Kegeln, Tennis und Badminton. Mit der Halle ist auch gewährleistet, dass Kuhardt seinen Ruf als „Handballdorf“ erhalten kann. Zur Wahrung der dörflichen Tradition konnte 1987 das Heimatmuseum eröffnet werden. Im gleichen Jahr erfolgte der Neubau eines Feuerwehrhauses. Es folgte die Neugestaltung des Dorfplatzes und die Herausgabe unserer Orts- und Familienchronik 1994 und die Gestaltung des Pfarrer-Anton-Zieger-Platzes 1999. Die Erschließung, Bebauung und Fertigstellung unserer Baugebiete war eine große Aufgabe der letzten Jahrzehnte: Römerstraße, Kirchstraße, Ringstraße, Südring, Am Hochufer und neulich Kirchgasse. Auch dieses Gebiet ist schon dicht bebaut. 1971 wurde Kuhardt Bundessieger im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. 1972 mussten wir wieder einen Teil unserer Selbstständigkeit aufgeben. Wir wurden im Zuge der Verwaltungsreform ein Teil der Verbandsgemeinde Rülzheim und schreiben wieder mit Hördt und Leimersheim gemeinsam Geschichte. Der Kreis hat sich scheinbar wieder geschlossen. Profitiert hat unsere Gemeinde und haben unsere Bewohner selbstverständlich von der aufkommenden Industrie, besonders von Daimler-Benz, deren Ansiedlung unserem Landstrich zu Wohlstand verholfen hat. In Kuhardt leben zur Zeit etwa 1960 Bürgerinnen und Bürger, die in den umliegenden Gemeinden und Städten bis nach Ludwigshafen, Speyer, Landau und Karlsruhe ihrer Arbeit nachgehen. Das Zieglerhandwerk ist ausgestorben. Es gibt in unserer Gemeinde die Berufe des häuslichen Bedarfs. Die Landwirtschaft spielt im Vergleich zu früher nur noch eine geringe Rolle. Unser Ortswappen, das vom Ministerium des Inneren des Landes Rheinland-Pfalz in dieser Form und in diesen Farben am 28. Februar 1956 genehmigt wurde nimmt Bezug zur Geschichte unseres Dorfes. Die grüne Farbe steht für den Namen des Ortes - Cohors=Cohart=Kuhweide -. Der silberne Angelhaken, der im Siegel der Propstei Hördt zu finden ist und nicht auf Leimersheim hindeutet, in Verbindung mit dem goldenen Krummstab, dem Bischofsstab, erinnert an die zeitweilige enge Verbindung des Ortes Kuhardt zum Kloster und zur Propstei Hördt. Die idyllische Landschaft mit den Naherholungsgebieten in der Umgebung bietet viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Erholung. Durch die Angebote der Vereine bietet sich der Bevölkerung auch in kultureller und sportlicher Hinsicht ein breites Betätigungsfeld. Alle fünf Jahre veranstalten Ortsgemeinde, Kulturkreis und Vereine ein „Heimat- und Straßenfest“. Das Fest anlässlich des 900-jährigen Jubiläums der Gemeinde Kuhardt vom 20. – 23. Juli 2003 war ein glänzender Erfolg und eine hervorragende Werbung für unser Dorf. Daneben sorgen Kulturkreis und Vereine mit unterschiedlichen Veranstaltungen wie Festen, Konzerten, Turnieren usw. für Abwechslung und die Möglichkeit gemeinsamen Erlebens. Bekannt ist Kuhardt auch durch die Kunst. So genießt das Atelier mit Galerie „La Pastourelle“ von Wolfgang Blanke auch überregional einen sehr guten Ruf. Ebenso ist Frau Gerda Holzwarth nicht nur in Künstlerkreises für ihre künstlerischen Werke bekannt. Viele Hobbykünstler vervollständigen die Kunst- und Kulturlandschaft in Kuhardt. |